Zulässige Bereifung Teil III

Zulässige Bereifung Teil III

Ergänzende Klarstellungen Unsere Veröffentlichung zur Thema "Zulässige Bereifung" in Trends & Facts Nr. 8/2004, Seiten 49-51 im Zusammenhang mit der in Trends & Facts Nr. 5/2004, Seiten 45-47 (Anfrage des BRV und Antwort/ Erlass des BMVBW vom 02.08.2004/ Az. S 33 / 50 Ver 2004) und unsere entsprechende Pressemitteilung "Reifen-Angaben im Kfz-Schein zum Teil nur Empfehlungscharakter!" aus Januar 2004 (siehe S... ) haben augenscheinlich doch für einigen "Zündstoff" in der Praxis gesorgt.

Dies wohl insbesondere deshalb, da nach uns vorliegenden Informationen die Technischen Prüforganisationen (TÜV, DEKRA, GTÜ, etc.), aber auch die Fahrzeug- und Reifenhersteller, die ja alle mehr oder weniger Mitglied im FKT Sonderausschuss "Räder und Reifen" sind, die Beschlüsse der Sitzung dieses Sonderausschusses am 09.11.2004 in Mannheim noch nicht "durchgestellt" haben bzw. die Kommunikation in diesen Organisationen/Unternehmen etwas länger dauert. Deshalb sei an dieser Stelle, auch nach nochmaliger Rücksprache mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, noch einmal unmissverständlich festgestellt:

Das Schreiben des BMVBW vom 02.08.2004/ Az. S 33 / 50 Ver 2004 (siehe auch Trends & Facts 5/2004, Seite 47) an den BRV ist in der Sitzung des FKT Sonderausschusses "Räder und Reifen" am 09.11.2004 in den Status eines Erlasses des BMVBW erhoben und bestätigt worden (insofern entfallen die letzten beiden Sätze des Schreibens/Erlasses) und sind damit für alle beteiligten Verkehrskreise - Prüforganisationen/Prüfstellen, Fahrzeug- und Reifenhersteller, Reifenfachhandelsbetriebe und Kfz-Werkstätten etc. - verbindlich. Unabhängig davon, dass die in Trends & Facts Nr. 8/2004, Seiten 49-51 dokumentierten Inhalte - hier insbesondere der Abschnitt "Für die Praxis bedeutet das im Klartext" (S. 50-51) - nach wie vor volle Gültigkeit besitzen, bedarf es doch im Nachgang - auch unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Anfragen dazu - noch einiger ergänzender Klarstellungen: Zu C) Berücksichtigung von Tragfähigkeitsabschlägen

Wie schon beim Wegfall der Reifenfabrikatsbindung für Reifen von BRV und wdk gemeinsam festgeschrieben (siehe entsprechende Charts im BRV-Handbuch "Reifen, Räder, Recht und mehr...", Stichwort Fabrikatsbindung) ist dabei Folgendes konkret zu beachten bzw. zu berücksichtigen: Reifentragfähigkeit (Abschläge)

. V -Reifen 100% bei 210 km/h, linear abfallend bis 91% bei 240 km/h . W-Reifen 100% bei 240 km/h, linear abfallend bis 85% bei 270 km/h . Y-Reifen 100% bei 270 km/h, linear abfallend bis 85% bei 300 km/h . ZR-Reifen 100% bei 240 km/h, bis 270 km/h linearer Abschlag von 5% für + 10 km/h, über 270 km/h Hersteller befragen bzw. generell zur Tragfähigkeit Zu C) Berücksichtigung von sich gegebenenfalls ändernden Luftdruckvorgaben

In diesem Zusammenhang sind folgende Punkte konkret zu beachten bzw. zu berücksichtigen: . Pkw-Reifen, Reinforced-Reifen, XL-Reifen, C-Reifen und CP-Reifen haben einen jeweils unterschiedlichen Basisluftdruck und damit unterschiedliche Tabellenluftdrücke . Bei Sturzwerten über 2° ist der Reifenhersteller zu befragen D.h. bei Montage von Reifen mit vom Fahrzeugschein abweichenden Speed- und/oder Loadindex ist in den Tabellen der betreffenden Reifenhersteller, den entsprechenden wdk- Leitlinien oder im ETRTO-Handbuch der notwendige Tabellenluftdruck, unter Berücksichtigung des Speedindex, zu ermitteln, einzustellen und der Fahrzeughalter/-führer rechtsverbindlich darauf hinzuweisen bzw. einzuweisen.

Tipp: Die Mehrzahl der Reifenhersteller bietet dazu bereits heute entsprechende Programme (Offline-CD-ROM) oder Internet gestützte (Online) "Luftdruckrecher" etc. an - z.B. der "Conti- LuftdruckRechner" (vgl. entsprechenden Artikel in dieser Ausgabe dazu S....) - die sich dafür anbieten. Im Zweifelsfalle ist immer der betreffende Reifenhersteller zu befragen. Zu C) Mischbereifung

Erinnert sei an dieser Stelle nochmals ausdrücklich, dass Mischbereifung von Reifen unterschiedlicher Bauart nach wie vor unzulässig ist. D.h., nicht nur Diagonal- und Radialreifen, sondern auch Pkw-Reifen (nach ECE-R 30, einschließlich Reinforced/XL) und Lkw-Reifen (nach ECE-R 54, einschließlich Llkw-Reifen/C- und CP-Reifen). Unabhängig davon empfehlen die wdk-Reifenhersteller und der BRV nach wie vor grundsätzlich an allen 4 Radpositionen Reifen der gleichen Bauart, des gleichen Herstellers und der gleichen Profilausführung zu montieren, mindestens achsweise und wenn achsweise, dann wie folgt: . "reine" Pkw-Reifen -C-Reifen -nicht zulässig! . "reine" Pkw-Reifen -CP-Reifen -nicht zulässig . Reinforced/XL-Reifen -C-Reifen -nicht zulässig! . Reinforced/XL-Reifen -CP-Reifen -nicht zulässig! . C-Reifen -CP-Reifen -wenn, möglichst nur achsweise!*) . "reine" Pkw-Reifen -Reinforced/XL-Reifen-wenn, möglichst nur achsweise!*)

*) An dieser Stelle nochmals der Hinweis auf die unterschiedlichen Basisluftrdrücke, siehe oben. Hier muss auch noch einmal darauf hingewiesen werden, dass die wdk-Reifenhersteller bei Wohnwagen und Wohnmobilen grundsätzlich den Einsatz von CP-Reifen empfehlen, die extra für diese besonderen Einsatzfälle entwickelt wurden.

Zu H) Angaben zu Reifenfabrikaten Zu Motorradreifen gilt selbstverständlich in diesem Zusammenhang nach wie vor, dass zwar auch hier die Reifenfabrikatsbindung formal aufgehoben ist, aber mit der Ausnahme, dass bei Montage anderer als im Fahrzeugschein eingetragener Fabrikate, eine Herstellerbescheinigung/ Freigabe des betreffenden Reifen- oder Fahrzeugherstellers einzuholen und dem Fahrzeughalter/ -führer auszuhändigen ist, die dieser dann auf Verlangen vorzuzeigen hat (eine Änderung der Fahrzeugpapiere ist nicht notwendig). Übrigens gilt für Motorradreifen auch nicht der Punkt B) Zulässige Achslasten/ Loadindex, da im Fahrzeugschein von Motorrädern keine Achslasten angeben sind, was allerdings im Zusammenhang mit der Notwendigkeit der Herstellerbescheinigung/ Freigabe vernachlässigbar ist.

Sie sehen also, dass die Thematik - wie schon mehrfach betont - zum Teil doch komplexer ist, als vielfach angenommen und einen sehr verantwortungsvollen Umgang durch den Reifenfachhandel erfordert. Auf der anderen Seite betrifft sie in der Regel doch zum großen Teil Ausnahmefälle in der Praxis, die dann aber auch als solche komplex behandelt werden müssen. Deshalb bleibt für jeden Fachhandelsbetrieb natürlich nach wie vor die Möglichkeit, den Empfehlungen der Fahrzeughersteller - ob in Bezug auf Speed- und Lastindex, die Bauart oder auf das Reifenfabrikat/die herstellerspezifische Kennzeichnung nach Fahrzeugschein - Folge zu leisten oder sich im Zweifelsfalle mit dem betreffenden Reifenhersteller in Verbindung zu setzen. Abschließend sei der Vollständigkeit halber auch noch einmal erwähnt, dass sich an der Praxis zu Sonderbereifungen (Sonder-Rad-/ Reifenkombinationen - TÜV-Gutachten, TÜV-Freigaben) für nicht vom Fahrzeughersteller freigegebene Rad-/ Reifenkombinationen nichts geändert hat. Der Erlass des BMVBW bezieht sich nur auf die entsprechenden Eintragungen im Fahrzeugschein.

Hier ein aktuelles Beispiel aus der Praxis zum Thema "Zulässige Bereifung an Kraftfahrzeugen/ Eintragungen im Fahrzeugschein": VW-Touran - Fahrgestellnummer WVWZZZ1TZ4W131774 - 77 KW mit DSG

Eintragungen im Fahrzeugschein: Ziff. 6: 177 km/h Ziff. 16: vorn 1.170 kg, hinten 1.090 kg Ziff. 20/21 195/65 R 15 95 H Ziff. 22/23 205/55 R 16 94 V

Erläuterungen zu Zulässigkeit: . zu Ziffer 6 Höchstgeschwindigkeit - hier 177 km/h plus 9 km/h TÜV-Toleranz = Vmax von 186 km/h, d.h. es sind Reifen mit dem Speedindex ab T (190 km/h) zulässig . zu Ziffer 16 zulässige Achslast - hier vorn 1170 kg und hinten 1090 kg, d.h. es sind Reifen mit dem Loadindex ab 90 (600 kg) zulässig

D.h. zusammengefasst, dass für dieses Fahrzeug im Minimum folgende Bereifungen zulässig sind: a) 195/65 R 15 90 T - auf Felge 6Jx15 ET 47 - Standardreifen = 195/65 R 15 91 T (mit 2,7 bar Tabellenluftdruck)

b) 205/55 R 16 90 T - auf Felge 6,5Jx16 ET 50 - Standardreifen = 205/55 R 16 91 H ( mit 2,7 bar Tabellenluftdruck)

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)