Sturz(Winkel)/Radsturz und seine Bedeutung

Sturz

Die Sturzwinkel eines Fahrzeuges haben maßgeblichen Einfluss auf die Leistung bzw. Tragfähigkeit einer Bereifung, weil es zu hohen Beanspruchungen der Reifeninnen-/Außenschulter kommen kann. Je größer der Sturzwinkel, desto stärker die Belastung der jeweiligen Reifenschulter. Da eine Überbeanspruchung zu erhöhter Hitzebildung im Reifen führt, kann es zu Materiallösung - und damit zu Reifenausfällen - kommen. Um Derartiges zu vermeiden, muss entweder eine Ablastung des jeweiligen Fahrzeuges erfolgen oder aber der Mindestluftdruck erhöht werden (wenn möglich).

Reduzierung der Reifentragfähigkeit: Bei Reifen, die gemäß ihrer Seitenwandmarkierung für Geschwindigkeiten über 210 km/h geeignet sind, kommen nachstehende Tragfähigkeitsreduzierungen zum Tragen:

bis 2° Sturz= 100 % Tragfähigkeit bis 2,5° Sturz= 97,5 % Tragfähigkeit bis 3° Sturz= 95 % Tragfähigkeit bis 3,5° Sturz= 92,5 % Tragfähigkeit bis 4° Sturz= 90 % Tragfähigkeit Beispiel: 225/50 ZR 16 - 630 kg max. Tragfähigkeit

bei 3° max. Sturz wird die Tragfähigkeit wie folgt reduziert: 630 kg - 5 % (31,5 kg) = 598,5 kg

Da in vielen Fällen eine Ablastung nicht möglich oder aber nicht erwünscht ist, kann auch durch eine Luftdruckerhöhung ein Ausgleich des Sturzeinflusses erreicht werden. Bei Sturzwerten über 4° sollte immer eine Rücksprache mit dem Reifenhersteller erfolgen. Insbesondere bei heckbetriebenen Fahrzeugen mit dem oftmals hohen negativen Sturzwerten auf der Hinterachse sollte dieser Sachverhalt unbedingt beachtet werden.

Luftdruckberechnung: Der Tabellenluftdruck ist ein Basisluftdruck in Bezug auf Tragfähigkeit. Die tatsächlich an einem Fahrzeug verwendeten Luftdrücke sollen aber auch die möglichen Höchstgeschwindigkeiten sowie die auftretenden maximalen Sturzwerte berücksichtigen.

Dies bedeutet, dass bei Geschwindigkeiten über 160 km/h sowie Sturzwerten über 2° ein Luftdruckzuschlag auf die Tabellenwerte erfolgen muss. Luftdruckzuschläge aufgrund von Fahrzeughöchstgeschwindigkeiten über 160 km/h sind abhängig von der jeweiligen Reifenausführung. Je nach Geschwindigkeitssymbol kommt es zu unterschiedlichen Berechnungen.

1a) Für Reifen bis zum Geschwindigkeitssymbol einschließlich "V" muss der Basisluftdruck laut Tabelle linear um 0,3 bar von 160 km/h bis 210 km/h angehoben werden. 1b) Für V-Reifen muss der Basisluftdruck laut Tabelle um 0,3 bar von 210 km/h bis ein- schließlich 240 km/h angehoben werden.

2a) Für ZR- und W-Reifen muss der Basisluftdruck laut Tabelle um 0,1 bar pro 10 km/h von 190 km/h bis einschließlich 240 km/h angehoben werden. 2b) Für ZR- und W-Reifen muss der Luftdruck laut Tabelle um 0,5 bar von 240 km/h bis einschließlich 270 km/h angehoben werden.

Bei Sturzwerten über 2° kommt es zu nachstehenden Luftdruckzuschlägen (sofern keine Fahrzeugablastung erfolgt): Sturz Luftdruckberechnung

bis zu 2° 0 bis zu 2,5° 0,1 bar bis zu 3° 0,2 bar bis zu 3,5° 0,3 bar bis zu 4° 0,4 bar Eine Luftdruckberechnung sollte grundsätzlich auf maximale Höchstgeschwindigkeit (Ziffer 6 Fahrzeugschein), den zulässigen Achslasten (Ziffer 16 Fahrzeugschein) sowie den maximalen Sturzwert des jeweiligen Fahrzeuges basieren, um den sicherheitsrelevanten Mindestluftdruck bei Volllast und Höchstgeschwindigkeit zu ermitteln.

Beispiel: BMW 7/1 750i/iL Ziffer 6: = 250 km/h (+Toleranz 9 km/h) Ziffer 16: = 1,130 kg Vorderachse 1,250 kg Hinterachse Sturz Vorderachse = kleiner 2° Sturz Hinterachse = maximal 3°

Bereifung Vorderachse = 235/45 ZR 17 Eagle ZR Bereifung Hinterachse = 265/40 ZR 17 Eagle ZR

1) Vorderachse:

1,130 kg : 2 = 565 kg max. Radlast

laut Tabelle 2,1 bar Basisluftdruck Höchstgeschwindigkeit = 250 km/h + 9 km/h Toleranz = 259 km/h

Hieraus ergibt sich ein Luftdruckzuschlag von rund 0,8 bar 190 km/h - 240 km/h =0,5 bar 240 km/h - 259 km/h = 0,3 bar (0,5 bar : 3 x 2) Da die maximalen Sturzwerte 2° nicht überschreiten, kommt es zu dem Ergebnis:

2,1 bar + 0,5 bar + 0,3 bar = 2,9 bar

2) Hinterachse:

1,250 kg : 2 = 625 kg max. Radlast

laut Tabelle 2,1 bar Basisluftdruck Höchstgeschwindigkeit = 250 km/h + 9 km/h Toleranz = 259 km/h

Hieraus ergibt sich ein Luftdruckzuschlag von rund 0,8 bar 190 km/h - 240 km/h =0,5 bar 240 km/h - 259 km/h = 0,3 bar (0,5 bar : 3 x 2) Bei einem maximalen Sturzwert vom 3° = 0,2 bar (siehe Aufstellung), also:

2,1 bar+ 0,5 bar + 0,3 bar + 0,2 bar= 3,1 bar Luftdruckempfehlung für Vollbetrieb: Vorderachse = 2,9 bar Hinterachse = 3,1 bar

Wenn ein Teillastdruck berechnet werden soll, müssen die in diesem Fall tatsächlich auftretenden Achslasten, Sturzwerte und die entsprechende Höchstgeschwindigkeit zugrunde gelegt werden. Im Anhängerbetrieb sind die Drücke gemäß der zusätzlichen Belastung auf die Hinterachse entsprechend anzupassen.

Der Luftdruck sollte immer am kalten Reifen geprüft bzw. eingestellt werden!

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)