Run-Flat-Reifen Erstausrüstungsübersicht

Run Flat-Reifen - BMW-RSC, Mercedes MO-Extended

"MO-Extended" - das bedeutet genau?

In der letzten Trends & Facts-Ausgabe 4/2004, Seite 58 hatten wir Sie über diese neue Reifenkennzeichnung informiert, die z.B. Bridgestone zur "Reifen 2004" an einem neuen Mercedes SLK vorgestellt hatte. Bezüglich unserer angekündigten Anfrage zu dieser Thematik bei Bridgestone und anderen Reifenherstellern wie Continental, Dunlop, Goodyear, Michelin und Pirelli erhielten wir folgende Antworten:

Bridgestone: "Unsere MO-Extended-Reifen wurden in Zusammenarbeit mit der DaimlerChrysler AG entwickelt. Diese Reifen weisen in Bezug auf die Notlauf-Eigenschaften andere Parameter auf als RFT Reifen.

MO-Extended-Reifen bieten im Falle einer Reifenpanne die nötigen Reserven, um das Fahrzeug sicher zum Stillstand zu bringen und aus dem Gefahrenbereich zu entfernen. Zur anschließenden Weiterfahrt ist nach wie vor ein Reserverad nötig. Wir möchten jedoch ausdrücklich betonen, Ihr Beispiel zum Anlass nehmend, dass, wenn ein solcher Reifen auf dem jeweilig anderen Fahrzeug verbaut wird, der Bestand der Unfahrbahrkeit nicht gegeben ist. Es werden lediglich nicht die maximalen Fahreigenschaften für den jeweiligen Fahrzeugtyp erreicht. Z.B. maximaler Komfort für DC, maximale Sportlichkeit für BMW und die mögliche Notlaufstrecke. Daher empfehlen wir den Einsatz auf dem jeweils anderen Fahrzeugtyp nicht. Selbstredend ist für beide ein Luftdruckkontrollsystem zwingend erforderlich."

Continental: "Weltweit können Reifen für die Erstausrüstung nur dann an Fahrzeug-Hersteller geliefert werden, wenn sie von diesen freigegeben sind. Das bedeutet, dass die Fahreigenschaften der Fahrzeuge mit unseren Reifen den jeweiligen Vorstellungen der Hersteller entsprechen müssen. Wir achten bei unseren Reifen aber sehr darauf, dass die den verschiedenen Ansprüchen der Hersteller angepassten Reifenausführungen ohne für den normalen Autofahrer erkennbare Unterschiede im Ersatzmarkt an allen Fahrzeugen eingesetzt werden können. Alle Reifen unseres Hauses werden so entwickelt, dass die bei einem Hersteller freigegebenen Reifen auf den entsprechenden Fahrzeugen anderer Marken ohne Probleme gefahren werden können."

Wie bereits in dieser Ausgabe in unserem Beitrag "Reifen mit Stern-Kennzeichnung für BMW" ausgeführt, fand am 12. August 2004 in der BRV-Geschäftsstelle ein Erfahrungsaustausch zwischen den Kundendienstleitern der Reifenhersteller Continental, Dunlop, Goodyear, Michelin und Pirelli (Bridgestone entschuldigt), dem wdk und dem BRV statt, bei dem auch diese Thematik behandelt wurde. Im Ergebnis kann folgender Sachstand zusammengefasst werden: Die gesamte Automobil- und Reifenbranche befindet sich derzeit in einer Phase der Entwicklung und Markteinführung hinsichtlich verschiedener Reifen und Rad-/Reifensysteme mit Notlaufeigenschaften in Kombination mit Luftdruck-Kontrollsystemen.

Dies betrifft für die Reifenhersteller in erster Linie die Entwicklung und Einführung von Run Flat-Reifen (Bridgestone-RFT, Continental-SSR, Dunlop-DSST, Goodyear-EMT, Michelin-ZP und Pirelli-Eufori@) und anderer Systeme wie PAX (Michelin, Dunlop, Goodyear, Pirelli) oder CWS- Continental mit den einzelnen Automobilherstellen. Obwohl insbesondere zu Run Flat-Reifen die Arbeiten zur internationalen Standardisierung - auf ISO Ebene - laufen und voraussichtlich Mitte nächsten Jahres abgeschlossen werden, gibt es z.Z. noch keine international verbindlichen Standards, sodass zur Zeit de facto jeder seine "eigenen" Run Flat-Reifen mit verschiedenen Automobilherstellern in gegebenenfalls verschiedenen Varianten entwickelt und produziert.

Da aber BMW eindeutig seitens der Automobilhersteller Vorrreiter auf diesem Gebiet ist - dies entwicklungsseitig und auch den serienmäßigen Einsatz von Run Flat-Reifen betreffend - kann davon ausgegangen werden, dass die derzeit auch auf dem Ersatzmarkt zum Einsatz kommenden "normalen" Serien-Run Flat-Reifen (Bridgestone-RFT, Continental-SSR, Dunlop- DSST, Goodyear-EMT, Michelin-ZP und Pirelli-Eufori@) nach den gleichen Standards/ Qualitätskriterien etc. entwickelt wurden und produziert werden - nämlich denen von BMW. Insofern sind diese Reifen qualitativ und sicherheitstechnisch verbleichbar und austauschbar.

Bei Mischbereifung wird aber auch hier, wie generell bei allen Reifen, mindestens ein achsweiser Einsatz empfohlen. Nun gibt es - wie bei den anderen Reifen (BMW-Stern, Mercedes MO etc.) - auch bei Run Flat-Reifen herstellerspezifische Kennzeichnungen.

Alle von BMW in der Erstausrüstung und im Ersatzgeschäft verbauten Run Flat-Reifen besitzen (unabhängig vom Reifenhersteller) die Kennzeichnung RSC, die sich aber qualitativ gleichfalls den anderen Reifen (z.B. mit Stern oder ohne) nicht von denen ohne RSC-Kennzeichnung unterscheiden. Dementsprechend gibt es auch hier weder straßenverkehrsrechtliche noch technische/ sicherheitsrelevante Einsatzbeschränkungen von "normalen" Run Flat-Reifen der betreffenden Reifenhersteller als Austausch oder im gemischten Einsatz mit solchen, die herstellerspezifisch gekennzeichnet sind.

Alle erfüllen in gleichem Maße insbesondere die Vorgaben hinsichtlich des Betriebes bei totalem Luftverlust (siehe BMW-Betriebsanleitung): . max. 80 km/h - bei geringer Beladung (1 bis 2 Personen ohne Gepäck) bis 250 km . max. 80 km/h - bei mittlerer Beladung (4 Personen ohne,oder 2 Personen mit Gepäck) bis 150 km . max. 80 km/h - bei voller Belastung (4 Personen und Gepäck) bis 50 km

Mit der zweiten, bisher bekannten herstellerspezifischen Reifenkennzeichnung von Run Flat- Reifen, für Mercedes - MO-Extended, sieht es allerdings etwas anders aus. Hierbei handelt es sich sozusagen um einen Run Flat-Reifen in "Light-Version". MO-Extended Reifen bieten im Falle einer Reifenpanne die nötigen Reserven, um das Fahrzeug sicher zum Stillstand zu bringen und aus dem Gefahrenbereich zu entfernen. Zur anschließenden Weiterfahrt ist aber nach wie vor ein Reserverad nötig! Insofern sind zwar alle MO-Extended-gekennzeichneten Reifen der einzelnen Reifenhersteller austauschbar (Empfehlung auch hier: achsweiser Einsatz) und straßenverkehrsrechtlich sowie rein technisch gesehen auch problemlos auf andere Fahrzeuge montierbar und einsetzbar, aber zu empfehlen ist das aus heutiger Sicht auf keinen Fall, da hier nur begrenzte Notlaufeigenschaften garantiert sind (sie oben Statement Bridgestone).

Das heißt, die bereits geäußerte Befürchtung, dass MO-Extended-Reifen z.B. auf einem BMW nicht fahrbar wären, trifft so nicht zu. Es werden lediglich die dort geforderten Notlaufeigenschaften nicht eingestellt und von daher ist - wie schon gesagt - von einer Montage abzuraten. Im Umkehrschluss sind allerdings "normale" Run Flat-Reifen und RSC-Reifen auf Mercedes-Fahrzeuge montierbar. Hier würde sich lediglich ein gewisser Komfortverlust bemerkbar machen, da diese Reifen für BMW sportlicher ausgelegt sind. Wir hoffen, dass wir etwas Licht in diese doch komplexe Angelegenheit bringen konnten. Darüber hinaus werden sich die einen oder anderen Unterschiede, die derzeit noch zu berücksichtigen sind, mit der angekündigten internationalen Standardisierung der Run Flat-Reifen zu Mitte nächsten Jahres gegebenenfalls erübrigt haben.

Wichtig scheint uns abschließend zu informieren, dass die Kundendienstleister der anwesenden Reifenhersteller Continental, Dunlop, Goodyear, Michelin und Pirelli bei dem erwähnten Erfahrungsaustausch am 12. August 2004 auf BRV-Anfrage einhellig bestätigt haben, die markenspezifischen Ausbildungsgänge zur Montage von Run Flat Reifen gegenseitig anzuerkennen. D.h. man muss nicht jeden Ausbildungsgang der jeweiligen Reifenhersteller - z.B. Dunlop-DSST-Schulung, Bridgestone-RFT-Schulung oder Continental-SSR-Schulung usw. - einzeln besuchen/ belegen, um für den Bezug und die Montage von Run Flat Reifen autorisiert zu werden, sondern es genügt einer, da die anderen Reifenhersteller diesen untereinander anerkennen.

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)