Richtlinie Reifenschäden

Richtlinie für die Beurteilung von Reifenschäden

(Vkbl. Nr.05/2001 vom 15.März 2001)

1. Anwendungsbereich Diese Richtlinie dient der Anwendung einheitlicher Bedingungen für die Beurteilung von Reifenschäden und richtet sich an die damit befassten Überwachungsorgane und Reifenfachwerkstätten. 2. Begriffsbestimmungen

2.1 Oberflächige Reifenschäden Oberflächige Reifenschäden sind im Laufflächen- und Seitenbereich von Luftreifen aufgetretene Schäden, die die Betriebssicherheit des Reifens nicht beeinträchtigen. Eine Schadensbehebung oder Instandsetzung des Reifens ist nicht erforderlich. 2.2 Nicht reparable sicherheitsrelevante Reifenschäden Sicherheitsrelevante Reifenschäden sind Schäden, durch die die Betriebssicherheit des Reifens herabgesetzt ist und die weiteren Verwendungen des Reifens gänzlich ausgeschlossen ist.

2.3 Reparable sicherheitsrelevante Reifenschäden Reparable sicherheitsrelevante Reifenschäden sind Schäden, durch die die Betriebssi- cherheit des Reifens herabgesetzt ist und nach Schadensanalyse durch eine Reifen- fachwerkstatt repariert werden können. Die Verwendung des Reifens im Schadenszu- stand ist unzulässig. 2.4 Reifenquerschnitt Profilgummi Äußere Gummischicht im Laufflächenbereich

Grundgummi Gummimischung zwischen Profilgrund und den Festigkeitsträgern (Gürtellagen/Karkasse) Schutzlage Kord, der zwischen Gürtellage und Grundgummi und dem Schutz des Festigkeitsträgers dient

Gürtellagen/Karkasse (Fertigkeitsträger) Kord, bestehend aus Strängen (Fäden, Seile), die die Gewebelagen der Reifenkarkasse bilden Innenliner Gummilage, die die Gasdichtigkeit des Reifens sicherstellt

Nenn-Querschnittsbreite In der Größenbezeichnung des Reifens enthaltende Angabe zur Querschnittsbreite des Reifens, die den Abstand zwischen den Außenseiten der Seitenwände des aufgepumpten Reifens nach Abzug der Erhöhung für die Beschriftung, Verzierungen, Scheuerleisten oder Scheuerrippen beinhaltet Lauffläche Teil des Reifens, der mit dem Boden in Berührung kommt

Laufflächenbereich Bereich des Reifens, der mit dem Boden in Berührung kommt, zuzüglich des Teils des Reifens, der sich von der Lauffläche bis zum Dekorstreifen erstreckt Seitenwandbereich Bereich zwischen Dekorstreifen und Zentrierlinie

Wulstzone Bereich des Reifens unterhalb der Zentrierlinie 3. Beurteilung von Reifenschäden

3.1 Oberflächige Reifenschäden Oberflächige Reifenschäden an Luftreifen im Laufflächen- und Seitenbereich, die ausschließlich das Gummi betreffen und bei denen keine Kordfäden des Festigkeitsträ gers sichtbar sind, können unter Zugrundlegung folgender Abgrenzungskriterien für die Betriebssicherheit des Reifens als unbedenklich eingestuft werden: Kraftradreifen - geringfügige Riss- oder Schnittverletzungen, die nicht über den gesamten Reifenumfang verlaufen - Alterungsrisse, die nicht tiefer als 1 mm sind

Reifen an Pkw und ihren Anhängern - geringfügige Riss- oder Schnittverletzungen, die nicht über den gesamten Reifenumfang verlaufen - Geringfügige flächenartige Laufflächenverletzungen, deren Ausdehnung nicht mehr als 10 Prozent der Nenn-Querschnittsbreite beträgt - Anscheuerungen und kleinere Verletzungen im Seitenwandbereich ohne Verdickungen oder Wölbungen im Schadensbereich - Alterungsrisse, die nicht tiefer als 1 mm sind Reifen an Nutzfahrzeugen und ihren Anhängern - Riss- oder Schnittverletzungen der Lauffläche sowie rundumlaufende Riss- oder Schnittverletzungen, deren Schadensbreite nicht mehr als 5 Prozent der Nenn- Querschnittsbreite beträgt - Flächenartige Verletzungen im Laufflächenbereich, deren Ausdehnung folgende Größe (in Prozenten) der Nenn-Querschnittsbreite nicht überschreitet: Bei C-Reifen und Reifen mit Tragfähigkeitskennzahl < 122: 20 % Bei Reifen mit Tragfähigkeitskennzahl 122 sind: 30 % - Anscheuerungen und kleinere Verletzungen mit Seitenwandbereich ohne Verdickungen oder Wölbungen im Schadensbereich - Alterungsrisse, die nicht tiefer als 1 mm bei C-Reifen und Reifen mit Tragfähigkeitszahl < 122 bzw. 3 mm bei Reifen mit Tragfähigkeitszahl 122 sind - Rundlaufende Trennungen von höchstens 8 mm Tiefe bei kalterneuerten Reifen im Bereich zwischen Laufflächenkante und Dekorstreifen

3.2 Sicherheitsrelevante Reifenschäden Alle Schäden mit weitergehendem Schadensbild als der unter 3.1 aufgeführten Ausdehnungen oder Merkmale sind für den Betrieb des Reifens als sicherheitsrelevante Schäden einzustufen. Die Verwendung eines Reifens mit sicherheitsrelevanten Schäden ist unzulässig. Hinsichtlich der Möglichkeit zur Reparatur des Reifenschadens entschei- det der Reifenfachbetrieb unter Berücksichtigung der Hinweise des Reifenherstellers (siehe auch Richtlinie für die Instandsetzung von Luftreifen).

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)