Reparatur von Alufelgen Stellungnahme

Stellungnahme "Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e.V. (DVS)", Düsseldorf

Lassen sich Aluminiumfelgen durch Schweißen reparieren?

In letzter Zeit erreichen den DVS verstärkt Anfragen zum Instandsetzungsschweißen an Aluminiumfelgen. "Wie kann man das machen?", "Wann ist das möglich?", "Ist das überhaupt zulässig?", so lauten die Fragen, die nicht nur Besitzer von durch Risse beschädigten Die Vielzahl der Fragestellungen veranlasste den DVS, das in seinem Ausschuss für Technik zuständige Gremium, die Arbeitsgruppe "Fügen im Straßenfahrzeugbau" um fachliche Stellungnahme zu bitten. Die Gruppe hat sich eingehend mit der angesprochenen Problematik befasst und ist dabei zu dem Ergebnis gelangt:

Aufgrund der aus der Produkthaftung entstehenden Fragestellungen für den ausführenden Schweißbetrieb, den Halter sowie den Fahrzeughersteller wird dringend davon abgeraten, Reparaturschweißungen an Aluminiumfelgen durchzuführen oder durchführen zu lassen. Werkstoffproblematik und Einfluss der Herstellungsverfahren

Das Reparaturschweißen an Aluminiumfelgen setzt ein umfangreiches Wissen der ausführenden Stelle bzw. Person voraus. Es erfordert vor allem weit reichende Werkstoffkenntnisse sowie mit der Art der Felgenfertigung verbundenes Wissen. Denn es ist nicht unerheblich, ob eine Felge gegossen, geschmiedet oder aus einem Band bzw. Strangpressprofil geschweißt wurde. Je nach Herstellungsverfahren sind bezüglich des dafür eingesetzten Werkstoffs Besonderheiten zu beachten. In diesem Zusammenhang ist es beispielsweise von entscheidender Bedeutung, ob es sich um eine aushärtbare oder eine nicht aushärtbare Legierung handelt. Aushärtbare Legierungen neigen unter Wärmeeinwirkung dazu, mehr oder weniger stark zu entfestigen, wogegen nicht härtbare Legierungen empfindlich auf Kaltumformung reagieren. Gegossene Leichtmetallfelgen lassen sich aufgrund fertigungsbedingter Einflussfaktoren, etwa Poren, im Allgemeinen nur schwer oder gar nicht schweißen und eignen sich damit auch nicht für diese Reparaturmaßnahme. Nach dem Schweißen von - insbesondere aushärtbaren - Aluminiumwerkstoffen lassen sich oft keine genaue Aussage darüber treffen, inwieweit durch die eingebrachte Schweißwärme der Ausgangswerkstoff entfestigt wurde. In einigen Regelwerken sind Mindestwerte für geschweißte Verbindungen angegeben. Deren Berechnungen sind vom Schweißprozess, von der Nahtvorbereitung und vom eingesetzten Zusatzwerkstoff abhängig. Umfassendes Wissen erforderlich

Je nachdem, welches Schweißverfahren für eine Instandsetzung vorgesehen ist, kann der Wärmeeintrag und damit die Entfestigung des Werkstoffs beim Schweißen an Aluminiumfelgen stark variieren. Und nicht immer besteht die Möglichkeit, durch eine geeignete Wärmenachbehandlung wieder das alte Festigkeitsniveau einzustellen. Für diese Abschätzung sind fundierte Kenntnisse über den Werkstoff sowie umfassendes Fachwissen bezüglich des Schweißens notwendig. Außerdem muss die ausführende Stelle über geeignete Einrichtungen für die Instandsetzung verfügen. Wenn Reparaturen an Aluminiumfelgen durchgeführt werden, sollte ein ausführender Betrieb wie im geregelten Bereich, entsprechend geeignet sein. Dazu muss er über geprüfte Schweißer, Schweißaufsichtspersonal, Verfahrensprüfungen sowie Einrichtungen und ausgebildetes Personal für die Durchführung zerstörungsfreier Prüfungen verfügen. Zulassungs- und Produkthaftungsfragen

Ergänzend zu den technologischen und verfahrensspezifischen Gesichtspunkten sind Zulassungs- und Produkthaftungsfragen zu berücksichtigen. Ein Rad allein ist nach 70/156/EWG nicht typgenehmigungspflichtig. Im Rahmen des Typgenehmigungsverfahrens für Personenkraftwagen und Motorräder bestimmter Kategorien wird die Rad-Reifen-Kombination in einer gesonderten "System"- Genehmigung beschrieben. Dabei hat der Fahrzeughersteller sicherzustellen, dass die Maßangaben für das Rad der ETRTO (European Tyre and Rim Technical Organisation) entsprechen und das Rad die Belastung (zulässige Radlast) aushält. Da ein Rad nicht bauartgenehmigungspflichtig ist, ist es nicht mit einem Genehmigungs- zeichen versehen. Der Nachweis über Maße und zulässige Belastungen wird entweder durch eigene Prüfungen des Fahrzeugherstellers geführt oder der Radhersteller (als Lieferant) weist dem Fahrzeughersteller glaubhaft nach, dass die Anforderungen erfüllt sind (qualifizierter Lieferant). Verantwortlich gegenüber Dritten ist der Fahrzeughersteller (Produkthaftung für das Gesamtfahrzeug). Die in einer Systemgenehmigung dem jeweiligen Rad zugeordneten Reifen sind bauartgenehmigungspflichtig und tragen ein Genehmigungszeichen, zum Beispiel E1•02•2439 nach Regelung Nummer 30 der ECE (Economic Commission for Europe) oder e1•02•2439 (nach EG-Richtlinie 92/23/EWG). Im Rahmen des Verfahrens zur Erlangung der Allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE) - sie gilt nur in der Bundesrepublik Deutschland - für Lastkraftwagen, Busse, Anhänger sowie bestimmte Motorräder wird anlog dem europäischen Typgenehmigungsverfahren gehandelt. Die Rad-Reifen-Kombinationen werden in der Typbeschreibung abgehandelt. Auch hier ist letztendlich der Inhaber der Fahrzeuggenehmigung gegenüber Dritten verantwortlich. Ein Rad kann eine Genehmigung nach § 22 der Straßenverkehrszulassungsordnung (Teile-ABE) als so genannte technische Einheit bekommen. In diesem Fall muss sich der "Technische Dienst" (nur beim TÜV und DEKRA) davon überzeugen (durch eigene Prüfung oder durch glaubhaften Nachweis seitens des Radherstellers), dass das Rad die Anforderungen erfüllt. Dies wird in einem Gutachten als Grundlage für eine Genehmigung durch das Kraftfahrtbundesamt beschrieben. Derartige Räder sind dann mit einem vom Kraftfahrtbundesamt zugeteilten Genehmigungszeichen, zum Beispiel KBA•022456, gekennzeichnet. Verantwortlich gegenüber Dritten ist in diesem Fall der Radhersteller. Für das Reparaturschweißen von Aluminiumfelgen bedeutet das, dass der ausführende Reparaturbetrieb direkt in die Produkthaftung genommen wird. Unter Kostengesichtspunkten

Aus Kostengesichtspunkten werden, wenn überhaupt, Felgenreparaturen wahrscheinlich nur an höherpreisigen Produkten leistungsstarker Fahrzeuge durchgeführt. Der Fahrer eines "Allerweltsautos" allerdings sollte sich wegen der eigenen und auch der Sicherheit anderer die Folgen einer nicht fachgerechten Felgenreparatur mit allen sich daraus ergebenen Konsequenzen vor Augen führen. Ein platter Reifen am Morgen zählt noch zu den glimpflichsten Folgen. Was aber, wenn die äußerlich instandgesetzte Felge aufgrund verschiedener Reparatureinflüsse bei höheren Geschwindigkeiten versagt? Die eigene Gesundheit und die Unversehrtheit bei einem durch eine gebrochene Aluminiumfelge hervorgerufenen Unfall sollte vor der vermeintlichen Kosteneinsparung stets Vorrang haben. Von Seiten des TÜV Süddeutschland werden Fahrzeuge, an denen Reparaturschweißungen an Felgen zu erkennen sind, als nicht verkehrssicher eingestuft. Die Hauptuntersuchung wird in einem solchen Fall als nicht bestanden bewertet.

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)