Reifenkennzeichnung (herstellerspezifisch) - Teil II

Reifenkennzeichnung (herstellerspezifisch) - Teil II

Ergänzende Klarstellung

In der letzten Trends & Facts-Ausgabe 4/2004, Seite 58 hatten wir Sie über eine obiges Thema betreffende Veröffentlichung im Journal der Gutmann (GM) Messtechnik GmbH - "Matrix", Ausgabe Mai 2004 informiert. Zur Erinnerung: In der Rubrik "Technik-Tipps" war dort vom GM Callcenter zur Problematik der Reifen mit BMW Stern-Kennzeichnung auf dem BMW 325 Ci, Bj. 2001 (E46) Stellung genommen worden. Wie bereits angekündigt, hatten wir uns dazu an den betroffenen Reifenhersteller Dunlop und auch an alle diejenigen gewandt, die Reifen mit Stern-Kennzeichnung an BMW liefern (Bridgestone, Continental, Goodyear, Michelin und Pirelli). Hier nun die entsprechenden Antworten:

Dunlop (Goodyear): "Nach unserer Auffassung ist die gesetzliche Vorschrift zur Aufhebung der Fabrikatsbindung nach wir vor gültig. Der Kunde kann sich für die Reifen entscheiden, die er möchte. Gibt es jedoch von dem Fahrzeughersteller Hinweise (z.B. in der Betriebsanleitung), dass eventuelle Einschränkungen mit dem Wechsel verbunden sind, sollte der Kunde informiert sein. Problematisch wird es, wenn damit sicherheitsrelevante Aspekte verbunden sind. (Solche sind z.B. betroffen, wenn der eingesetzte Ersatzreifen größer/ breiter als der Serienreifen ist und eventuell zum Anschleifen führt.)

Aus Sicht des Reifenherstellers sind Leistungslimits je nach Reifentyp und Hersteller unterschiedlich, wobei die mit Stern gekennzeichneten Reifen ein Optimum für BMW Fahrzeuge darstellen. Andere, von BMW nicht getestete Reifen, können demnach unter Umständen in einzelnen Kriterien auch besser sein, als die von BMW vorgegebenen Forderungen. Es geht aus Ihrem Schreiben bedauerlicherweise nicht hervor, welche Reifengröße verwendet und welcher Reifen im Ersatz verbaut wurde. Für den 3er BMW haben wir nie eine Stern-Ausführung in SP9000 gebaut. Für das von Ihnen geschilderte Phänomen können wir folgende Erklärungen geben:

Bei DSC oder auch ESP wird der Lenkeinschlag mit der Raddrehzahl sowie der Querbeschleunigung verglichen. Einflussfaktoren von Reifenseite sind Abrollumfang und Haftungsbeiwert/ Seitenführung. Der Fahrzeughersteller bestimmt, wie sensibel diese elektronischen Regelsysteme ausgelegt werden, wobei wir als Reifenhersteller darauf keinen Einfluss haben. Je nach Reifenfabrikat und Ausführung sind die jeweiligen Ist-Abrollumfänge nicht immer identisch - auch die Reifenabnutzung spielt hier eine Rolle. Unterschiedliche Reifendimensionen VA/HA sind ebenfalls zu beachten. In der Regel kommt es dadurch nicht zu Eingriffen vom DSC/ESP. Sind die Regelsysteme aber sehr sensibel ausgelegt, werden auch geringe Abweichungen einen Einfluss haben. Um dieses Problem auszuschalten, sind selbstlernende Systeme eingesetzt, die Abweichungen erkennen und mit der Zeit eliminieren.

Die Dynamische Stabilitätskontrolle soll eine optimale Kurvenfahrt je nach Leistungsfähigkeit des Reifens bewirken. Wenn nun kurz nach Montage neuer Reifen die DSC/ESP Anzeige öfter in Aktion ist, kann auch ein noch nicht optimaler Haftungsbeiwert eines Neureifen dazu beitragen. Hier sollte eine Beurteilung erst nach der Einfahrphase erfolgen. Durch zunächst stärkere Regeleingriffe nach einem Reifenwechsel ist nach unserer Ansicht das Fahrzeughandlings nicht beeinträchtigt. Für Dunlop (Goodyear) Reifen gelten unsere bisherigen grundlegenden Aussagen nach wie vor:

Es gibt keine gravierenden Qualitätsunterschiede zwischen Reifen mit und ohne Stern- Markierung. Geringfügige Dimensionsunterschiede zwischen einzelnen Ausführung kann es geben. Es ist auch zulässig, BMW in gemischtem Einsatz (mit und ohne Sternmarkierung) zu fahren. Empfehlenswert ist dagegen, Reifen gleichen Typs auf allen Positionen mindestens aber auf einer Achse zu verwenden.

Bei unterschiedlichen Reifendimensionen VA/HA sollten eventuelle Abweichungen der Ist-Abrollumfänge vermieden werden.

Reifenqualität/ Handling erst nach einer empfohlenen Einfahrphase bewerten." Bridgestone: "Auf Ihre Anfrage möchten wir uns den Ausführungen der Kollegen vom Mitbewerb anschließen."

Continental: "Wir können uns gemäß unserer Erfahrung nicht vorstellen, dass ein neuer Reifensatz das DSC-System in jeder Kurve zum Regeln bringt, wenn er aus vier gleichen Reifen besteht. Das DSC-System funktioniert ja bekanntermaßen auch mit Winterreifen der verschiedenen Hersteller. Die Unterschiede in Abrollumfang und Aufbau der Seitenführungskräfte sind aber zwischen von BMW freigegebenen Sommerreifen und den verschiedenen Winterreifenfabrikaten sicherlich viel größer als zwischen mit Stern gekennzeichneten Sommerreifen und solchen ohne Stern-Kennzeichnung. Es ist vorstellbar, dass der bewusste neue Reifensatz aus unterschiedlichen Reifenausführungen bestand. Oder wurden vielleicht nur die stärker abgefahrenen Hinterachsreifen erneuert? Jedenfalls kennen wir keinen einzigen derartigen Fall nach Neubereifung eines Fahrzeugs mit vier neuen Reifen unseres Hauses ohne Hersteller Kennzeichnung."

Michelin: "Wir können uns im Grunde nur den Ausführungen unserer Kollegen von Dunlop und Continental anschließen, mit der Nebenbemerkung - wenn das BMW-DSC bei der Montage von vier gleichen Reifen schon unterschiedliche Reibwerte erkennt, dann brauchen wir ja keinen intelligenten Reifen mehr." Pirelli: "Auch wir können uns im Grunde nur den Ausführungen unserer Kollegen - insbesondere denen von Dunlop und Continental - nur anschließen."

Am 12. August 2004 fand in der BRV-Geschäftsstelle darüber hinaus ein Erfahrungsaustausch zwischen dem BRV, den Kundendienstleitern der Reifenhersteller Continental, Dunlop, Goodyear, Michelin und Pirelli (Brigestone entschuldigt) und dem wdk statt unter anderem zu diesem Thema. Im Ergebnis wurde noch einmal definitiv bestätigt, dass es grundsätzlich keine Qualtitätsunterschiede zwischen "normalen" Serienreifen und reifenherstellerspezifisch gekenzeichneten Reifen (z.B. BMW-Stern, Mercedes MO etc.) gibt.

Reifenherstellerspezifisch gekennzeichnete Reifen wie etwa BMW-Stern, Mercedes MO sind lediglich besonderen Anforderungen der einzelnen Fahrzeughersteller angepasst, insbesondere auf das speziell gewünschte Fahrverhalten der Fahrzeuge bezogen wie z.B. Sportlichkeit bei BMW und Komfort bei Mercedes. Die daraus resultierenden "Unterschiede" sind im Zweifelsfalle eher erst im Grenzbereich "spürbar" und insofern vom Verbraucher kaum wahrzunehmen. Dementsprechend gibt es weder straßenverkehrsrechtliche noch technische/ sicherheitsrelevante Einsatzbeschränkungungen von "normalen" Serienreifen der betreffenden Reifenhersteller als Austausch oder im gemischten Einsatz mit solchen, die herstellerspezifisch gekennzeichnet sind. Das heißt - um es noch einmal explizit auszudrücken - dass folgende Varianten z.B. straßenverkehrsrechtlich und technisch/ sicherheitsrelevant problemlos möglich/ zulässig sind:

. Ein BMW z.B. kann sowohl mit Reifen mit Stern eines der genannten Reifenhersteller, als auch mit dessen "normalen" Serienreifen ausgestattet werden, auch Mischbereifung ist möglich, hier wird allerdings achsweise empfohlen. . Dieser BMW kann aber auch mit MO-gekennzeichneten Reifen ausgestattet werden, die wiederum sowohl mit Reifen mit Stern oder "normalen" Serienbereifungen gemischt werden können, allerdings auch hier die Empfehlung - achsweise.

. Umgekehrt gilt das selbstverständlich z.B. auch für einen Mercedes. . Unbenommen bleibt dabei die generelle BRV-Empfehlung, ein Fahrzeug grundsätzlich immer auf allen 4 Radpositionen mit Reifen des geichen Herstellers, der gleichen Profilausführung und eben der gleichen herstellerspezifischen Kennzeichnung (so vorhanden) auszustatten, mindestens aber achsweise.

Zusammengefasst kann also festgestellt werden, dass in dem konkreten Beispiel sowohl die technische Begründung des Gutmann Callcenters (Reibwert, der sich übrigens innerhalb des Reifenlebens durch den Reifenabrieb permanent ändert und der auch deutlich unterschiedlich zwischen Sommer- und Winterreifen ist) fachlich definitiv nicht haltbar ist und damit der Fehler eine andere Ursache gehabt haben muss. Darüber hinaus lehnt sich das Gutmann Callcenter auch hinsichtlich der Behauptung "Nur diese (Variante mit Stern) darf moniert werden." über die Maßen aus dem Fenster, denn auch diese ist weder straßenverkehrsrechtlich noch technisch haltbar. In diesem Falle hätte wohl doch lieber ein Reifenfachmann konsultiert werden sollen.

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)