Reifenbreiten Toleranzen

Thema: Reifenbreiten-"Willkür"

Im Oktober 1999 veröffentlichte die GUMMIBEREIFUNG nachstehenden Leserbrief des Reifenfachhändlers Teigeler aus Dortmund: "Werter Herr Mutz, vielleicht nehmen Sie sich einmal der Problematik der "Reifenbreiten" an. Jeder Hersteller macht seit Jahren willkürlich Reifen in unterschiedlichem Maße, ohne Rücksicht auf die am Reifen angegebene Maß-Breite. Hierdurch entstehen bei Umbereifung sehr unterschiedliche Voraussetzungen für evtl. Umbauarbeiten am Fahrzeug. Wir meinen: Maß ist Maß"

Wenngleich die Firma Teigeler nicht Mitglied im BRV ist, so schien uns die vom Firmeninhaber des Dortmunder Unternehmens dargestellte Problematik Wert zu sein, aus Sicht des BRV- Referates "Technik" beleuchtet zu werden. Hier unser Statement: Nachstehend der Versuch, das äußerst komplizierte Thema Reifenmaße, insbesondere Reifenbreiten, möglichst allgemeinverständlich darzustellen:

Selbstverständlich macht kein Hersteller willkürlich Reifen in unterschiedlichen Maßen, ohne Rücksicht auf die am Reifen angegebene Maßbreite! Aber zugegebenermaßen kann - oberflächlich betrachtet - schon ein solcher Eindruck entstehen. Um so wichtiger ist es, richtig in diese Materie einzusteigen, um gerade auf dem für uns so wichtigen Gebiet der Umbereifung, das ja davon definitiv tangiert ist, insbesondere unseren Kunden gegenüber die entsprechende Sachkompetenz zum Ausdruck bringen zu können. Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass die Reifenmaße international für alle Reifenhersteller und Anwender über die ETRTO (The European Tyre and Rim Technical Organisation) verbindlich genormt sind. Diese sind für alle Anwender, also auch den Reifenfachhandel, öffentlich und nachzulesen in den jährlichen "Engineering Design Information" der ETRTO. Die Bezugsadresse lautet

ETRTO 32/2, Avenue Burgmann B- 1060 Brüssel Belgien Tel. 0032/23444059 Fax 0032/23441234 E-mail etrto@agency.be Internet http:// www.agency.be/etrto Man muss allerdings wissen, dass die von der ETRTO festgelegte Normbreite (auf Messfelge) für jede einzelne Reifendimension in der Regel nicht identisch ist mit der im Sprachgebrauch üblichen "Reifenbreite" der Dimensionsbezeichnung! Anders formuliert: Die im allgemeinen Sprachgebrauch übliche "Maßbreite", wie sie Herr Teigeler bezeichnet, aus der Festlegung der Reifendimension heraus (z.B. 205/60 R 15, hier die "Reifenbreite" 205 mm) ist in der Regel weder identisch mit der ETRTO- Normbreite noch mit der tatsächlichen Reifenbreite unter Einhaltung der ETRTO- Toleranzen. Sie stellt lediglich, wenn man so will, einen "Näherungswert" an die tatsächliche Reifenbreite im Rahmen der Dimensionsbezeichnung dar.

Um die gesamte zulässige Bandbreite der Reifenbreite einer ganz konkreten Reifendimension in Erfahrung zu bringen, muss man schon die o.g. ETRTO- Unterlagen zu Rate ziehen, und um dann noch die ganz konkrete Reifenbreite pro Fabrikat und Profilausführung für diese Reifendimension zu erfahren, muss man sich wohl oder übel mit dem jeweiligen Hersteller in Verbindung setzen. Ein Beispiel aus dem extremen Breitreifenbereich soll dies deutlich machen: Dimensionsbezeichnung 285/30 ZR 20

-"Näherungswert"- Reifenbreite aus Dimensionsbezeichnung = 285 mm -Messfelge* gemäß ETRTO = 10"" -Normbreite* gemäß ETRTO = 290 mm - Max. Breite* gemäß ETRTO = 302 mm (* Angaben aus ETRTO- Engineering Design Information 1999) Aus der angegebenen maximalen Breite ist schon ersichtlich, dass die zulässige Toleranz plus/minus vier Prozent im Vergleich zur Normbreite beträgt (290 mm + 4% = 301,6 = 302 mm). In den ETRTO- Tabellen sind aber keine Werte für die Mindestbreite und Bandbreite angegeben, diese sind laut ETRTO wie folgt zu ermitteln: -Min. Breite gemäß ETRTO = 278 mm (290 mm ./. 4% = 278,4 mm = 278 mm) -Bandbreite gemäß ETRTO = 24 mm ( 278 mm bis 302 mm ) Daraus ist klar ersichtlich, dass z.B. bei der Dimension 285/30 ZR 20 gemäß ETRTO eine Reifenbreite von 278 mm bis 302 mm zulässig ist und auf konkrete Nachfrage bei Dunlop wurden uns für den SP 9000 - 283 mm - und bei der Bridgestone für den S- 02 - 302 mm -genannt (für die 10"" Messfelge). Natürlich können sich dadurch bei der Umbereifung sehr unterschiedliche Voraussetzungen für eventuelle Umbauarbeiten am Fahrzeug ergeben. Genau aus diesem Grunde verweisen wir in diesem Zusammenhang nochmals nachdrücklich auf die entsprechenden Abschnitte im BRV- Handbuch "Reifen, Räder, Recht und mehr...", die Stichworte "ABE" (einschließlich Checkliste und Leitfaden zur Räder-/Reifenumrüstung) und "Umrüstung", d.h. die unbedingte Einhaltung der darin beschriebenen notwendigen Arbeitsschritte und dem Hinweis, sich im Zweifelsfalle und bevor Modifikationen am Fahrzeug ausgeführt werden, immer an den jeweiligen Reifenhersteller (oder gegebenenfalls mehrere) zu wenden!

Dies gilt in gleichem Maße für den Themenkomplex ABS/ASR- Tauglichkeit, wo es insbesondere um Abrollumfänge von Reifen geht.

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)