Radmuttern nachziehen Merkblatt

Radmuttern nachziehen - Ein Merkblatt

Eine Handlungsanweisung des BRV-Justitiars Dr. Ulrich Wiemann, Rösrath Auf Lieferunterlagen und Rechnungen befindet sich häufig der meist im Druck hervorgehobene Hinweis, dass die Radmuttern vom Kunden nach einer bestimmten Fahrstrecke nachgezogen werden müssen. Technisch mag das im ein oder anderen Fall überholt sein, zwei jüngere Gerichtsentscheidungen belegen aber, dass es sich doch dringend empfiehlt, diesen Hinweis beizubehalten oder wieder aufzunehmen.

Das Amtsgericht Landsberg (wir berichteten in "Trends + Facts", Nr. 1/1999) entschied im Dezember 1998, dass ein Reifenfachhändler nicht auf Schadenersatz haftet, wenn der Kunde beim Abholen des Fahrzeugs nach Radwechsel eine Rechnung erhielt, auf der es hieß: "Überprüfen Sie den festen Sitz der Radmuttern. Wir weisen darauf hin, dass nach einer Fahrtstrecke von mindestens 20 km und höchstens 200 km die Radmuttern nachgezogen werden müssen." Circa einen Monat nach der Montage hatte der Kunde einen Unfall, weil sich das linke Vorderrad löste. Seine Klage auf Schadenersatz wies das Amtsgericht mit der Begründung ab, er hätte auf Grund des deutlichen Hinweises auf der Rechnung die Radmuttern prüfen und nachziehen müssen; der Schadenersatzanspruch wurde gewiesen, weil er dies unterlassen hatte.

Dagegen verurteilte das Landgericht Stuttgart im Januar 1998 einen Reifenfachhändler zu erheblichem Schadenersatz. Hier ging es darum, dass das Gericht einen Montagefehler (mangelhafte Reinigung) bei Montage von Alufelgen für erwiesen hielt. Als ganz wesentlich kam nach Auffassung des Gerichtes hinzu, dass auf den Lieferungs- und Rechnungsunterlagen jeder Hinweis auf die Notwendigkeit der Prüfung, Kontrolle und das notwendige Nachziehen der Radmuttern fehlte. Hätte es diesen Hinweis gegeben, wäre es nicht zu diesem Urteil auf Schadenersatz gekommen, mindestens nicht in dieser Höhe, weil dem Kunden dann Mitverschulden wegen Nichtbeachtung eines solchen Hinweises hätte vorgeworfen werden können. Das Fazit aus beiden Entscheidungen:

1. Der Hinweis auf die Notwendigkeit des Nachziehens von Radmuttern sollte weiterhin und ausnahmslos verwandt werden, und zwar möglichst in Fettdruck hervorgehoben und auf den Unterlagen so platziert, dass er ins Auge fällt, zweckmäßigerweise und am besten im Bereich der Unterschrift, die der Kunde beim Abholen des Fahrzeuges leistet. 2. Für einen solchen Hinweis gelten die Regelungen für allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB). Diese müssen in den Vertrag einbezogen werden, also schon auf Lieferschein und/oder Auftragsbestätigung erscheinen. Der Abdruck ausschließlich auf der Rech - nung genügt nicht, was übrigens das Landgericht Stuttgart vernachlässigt hat. Allerdings wird man auch davon ausgehen können, dass der Abdruck auf der Rechnung zumindest eine Funktion als Warnhinweis hat. Zweckmäßig und ausreichend wird sein, wenn der Andruck auf einem einheitlichen Formular erscheint, das zugleich als Lieferschein, Auftragsbestätigung und Rechnung dient, wie dies häufig gehandhabt wird. Auf der Rückseite dieses Formulars, das der Kunde erhält, sollten die AGB des Reifenfachhändlers stehen.

In den Muster-AGB des BRV ist übrigens zusätzlich beim einem derartigen Versäumnis des Kunden die Gewährleistung ausgeschlossen (siehe Stichwort: AGB). Jetzt auch gerichtlich festgestellt: Radmuttern nachziehen!

Ein Urteil des Amtsgerichts Trier (AZ: 7 C 278/98) unterstreicht nochmals die dringende Notwendigkeit, das Thema "Radmuttern nachziehen" ernst zu nehmen. Eine Werkstatt, die Reifen an einem Kfz wechselt, ist dem Fahrzeugeigentümer schadenersatzpflichtig, wenn die Schrauben nicht ordnungsgemäß angezogen wurden und sie den Kunden nicht ausdrücklich darauf hingewiesen hat, dass nach einer bestimmten Kilometerzahl überprüft werden muss, ob die Räder noch fest sitzen. Stellt sich an einem Kfz 300 Kilometer nach einem Reifenwechsel heraus, dass sämtliche Radschrauben nur leicht angezogen sind, entspricht es der Lebenserfahrung, dass die Schrauben nicht fest genug angezogen waren. Allerdings trifft den Kunden auch ein eigenes Mitverschulden an einem Unfall, wenn er nach ca. 50 km gefahrenen Kilometern eine leichte Unwucht an den Reifen zwar wahrnimmt, aber keine Werkstatt aufsucht oder die Schrauben nicht selbst nachzieht. Diese Mithaftungsquote bewertete das Gericht mit 30 Prozent. Radmuttern nachziehen - Nicht Kür, sondern Pflicht!

Das Thema "Radmuttern nachziehen" beschäftigte den BRV-Arbeitskreis "Reifentechnik/Autoservice" über eine längere Zeit, denn es sollte neben den rein juristischen Aussagen (siehe "Trends + Facts" Nr. 1/1999 Seite 12 und insbesondere Nr. 2/1999 Seite 17 - Merkblatt) die technische Notwendigkeit im Pkw-Bereich (im Lkw-Bereich ist sie unstrittig) untersucht werden. Es stellte sich vor allem die Frage, ob dieses Nachziehen in der heutigen Zeit noch Stand der Technik ist und dem Kunden, auch im Verhältnis zum Autohaus, zugemutet werden kann.

Deshalb hat der BRV-Arbeitskreis intensiv die vom TÜV Süddeutschland in der Vergangenheit durchgeführten Grundsatzuntersuchungen auf diesem Gebiet unterstützt. Das Ergebnis ist erstaunlicherweise eindeutig. So schreibt Dr.-Ing. Thomas Aubel: "Durch die gutachterliche Tätigkeit ist das Reifen/Räder-Test-Center RTC des TÜV Süddeutschlands darauf aufmerksam geworden, dass sich vermehrt Unfälle durch unbeabsichtigtes Lockern von Radschrauben ereignen. Eine daraufhin veranlasste Grundsatzuntersuchung führte zu folgendem Ergebnis:

Bei vielen heute im Einsatz befindlichen Radbefestigungen kann ein Lockern von Radschrauben im Fahrbetrieb nach einem Radwechsel nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Als Einflussgrößen waren die Radlast, die Motorleistung, die Werkstoffpaarung Schraube/Radträger und der Korrosionszustand der Anschlussfläche feststellbar. Daher empfiehlt das RTC grundsätzlich nach jeder Radmontage - ob durch Werkstätten der Fahrzeughersteller, des Fachhandels oder auch durch Privatpersonen - das Nachziehen der Befestigungsteile nach einer Fahrstrecke von mindestens 20 km und maximal 200 km."

Damit ist nun auch technisch eindeutig die Notwendigkeit des Nachziehens von Radmuttern begründet und die Bedeutung des bereits angeführten "Merkblatt" unterstrichen. Wir empfehlen Ihnen daher dringend, die Empfehlungen des Merkblattes zu beachten!

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)