Nitrosamine

Nitrosamine

Der BRV hat in den letzten Jahren permanent auf diese Problematik in unserer Branche hingewiesen und allen Mitgliedern stand bis dato die entsprechende Dokumentation bzw. der Leitfaden "Nitrosamine" zur Verfügung gestellt. In der Dokumentation musste zum Teil aber noch von Hypothesen ausgegangen werden, da die entsprechende TRGS (Technische Richtlinie Gefahrstoffe) 552 "Nitrosamine" noch nicht vollständig überarbeitet war. Im März 1996 hat nun das Bundesministerium für Arbeit mit dem Bundesarbeitsblatt 3/1996 die Neufassung der TRGS 552 "Nitrosamine" in Kraft gesetzt und veröffentlicht.

Deshalb seien an dieser Stelle nochmals die wichtigsten und für den Reifenhandel relevanten Fakten in Bezug auf die Nitrosaminproblematik dargestellt.

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Die TRGS 552 spricht nach Nummer 2 Abs. 4 von "Bereichen, in denen Nitrosamine nach heutigem Wissen unvermeidbar entstehen und für die das Expositionsverbot (Beschäftigungsverbot) nach Nummer 2 Abs. 1 nicht (!) gilt:

Industriezweig Arbeits-/Produktionsbereich kritische Arbeitsbereiche Gummiindustrie Abwiegen, Mischen, Halbzeug- Kalander, Extrusionsanlagen, (relevant für verarbeitung, Nachbehandlung, Salzbäder, Vulkanisierung in den Reifenfachhandel) Lagerung, Vulkanisation Formen, Lagerung von technischen Gummiartikeln sowie Reifen Auf dieser Grundlage ergibt sich die Ermittlungs- und Überwachungspflicht des Unternehmers gemäß § 18 Abs. 1 der Gefahrstoffverordnung, d.h. der Unternehmer muss auf seine Kosten Messungen der Nitrosaminkonzentration in seinen Unternehmensbereichen -Runderneuerung (und Materiallagerung) und -Reifenläger nach TRGS 402 vornehmen lassen. (Ein Auszug außerbetrieblicher Messstellen, die beauftragt werden können, liegt in der BRV- Geschäftsstelle vor.)

Im Rahmen der Aufsichts- und Beratungspflicht gegenüber ihren Mitgliedsunternehmen (Arbeitsbereichanalysen) werden die Erstmessungen von den messtechnischen Diensten der Berufsgenossenschaften in Zusammenarbeit mit dem berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitssicherheit für ihre Mitgliedsunternehmen kostenlos durchgeführt. Damit genügen sie als Unternehmer im ersten Schritt dem § 18 Abs. der Gefahrstoffverordnung - Überwachungspflicht. Sollten sich allerdings daraus regelmäßige Kontrollmaßnahmen notwendigerweise ergeben, sind diese sowohl vom Unternehmer zu veranlassen als auch kostenseitig zu tragen.

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Die TRGS 552 vom März 1996 legt nun endgültig die Technische Richtkonzentration (TRK-Wert) fest. Sie lautet grundsätzlich 1 $micro;g/m³ bzw. 0,001 $micro;g/m³. Das heißt, dass in den Bereichen Runderneuerung und Reifenläger, in denen eine Nitrosaminkonzentration unter 1 $micro;g/ m3 bzw. 0,001 $micro;g/m² gemessen werden, keine besonderen Schutzmaßnahmen etc. notwendig sind.

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In der Praxis bezogen auf unsere Branche wird aber unter Umständen in den Bereichen - "Vulkanisation und nachfolgende Arbeitsverfahren einschließlich Lagerung für technische Gummiartikel" - sprich: Runderneuerung und insbesondere - "Altlager von Reifen, genutzt vor 1992" aus den Erfahrungen heraus die Nitrosaminkonzentration höher liegen. Dem entspricht die neue TRGS 552 im Punkt 3.3 und legt für diese Bereiche die Technische Richtkonzentration (TRK-Wert) auf 2,5 $micro;g/m³ bzw. 0,0025 $micro;g/m³ fest. Das heißt, dass in den Bereichen Runderneuerung und Reifenläger, in denen eine Nitrosaminkonzentration von 1 $micro;g/m³ bzw. 0,001 $micro;g/m³ oder mehr bis zum Grenzwert 2,5 $micro;g/m³ bzw. 0,0025 $micro;g/m³ gemessen wird, diese zwar de facto zulässig ist, der Unternehmer aber auf Grundlage der einschlägigen Vorschriften (Gefahrstoffverordnung §§ 16 und 36 in Verbindung mit der TRGS 552 N-Nitrosamine und der Unfallverhütungsvorschrift (UW) 35 "Umgang mit krebserregenden Stoffen") verpflichtet ist, folgende Maßnahmen zu treffen: * Schriftliche Erfassung der Arbeitnehmer, die in den Bereichen (Runderneuerung/Lager) arbeiten, bzw. beschäftigt werden - Name, Vorname, Geburtsdatum, Anschrift; - Beginn der Beschäftigung; - Beschreibung der Beschäftigung und der Arbeitsbereiche; - ggf. Ende der Beschäftigung. * Die Arbeitszeit in diesen Bereichen ist täglich auf acht Stunden und wöchentlich auf 40 Stunden zu begrenzen (bei Vierschichtbetrieb 42 Stunden pro Woche im Durchschnitt von vier aufeinander folgenden Wochen). * Verbot der Beschäftigung von Jugendlichen. * Verbot des Essens, Trinkens und Rauchens in diesen Bereichen. * Bereitstellung von geeigneten Atemschutzgeräten (z.B. Halbmasken mit Kombinations- filtern, sowie kombinierte, filtrierende Halbmasken des Typs FFA1-P2). * Erstellung einer Betriebsanweisung. * Unterrichtung der Arbeitnehmer über die Messergebnisse und aktenkundige Empfehlung des Tragens von Atemschutzgeräten (bei Konzentrationswerten von 1 $micro;g/m³ bzw. 0,001 mg/m³ oder mehr!) * Durchführung von Kontrollmessungen in den vorgeschriebenen Zeitabständen nach TRGS 402 (mindestens alle 64 Wochen).

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Wird der in der neuen TRGS 552 in Punkt 3.3 bereits genannte TRK-Wert (Technische Richtkonzentration) von 2,5 $micro;g/m³ bzw. 0,0025 $micro;g/m³ erreicht und überschritten, sind vom Unternehmer folgende zusätzliche Maßnahmen (zu den unter Punkt 3 genannten) zu treffen: * Gemäß UW 37 § 4 Abs. 1 und § 8 Abs. 1 ist dafür zu sorgen, dass der Gesundheitszu- stand von Personen, die in diesen Bereichen der Einwirkung von Nitrosaminen ausge- setzt sind, durch arbeitsmedizinische Vorbeugungsuntersuchungen überwacht wird. Bei Versicherten, die noch nicht untersucht wurden, ist diese nachzuholen. Diese Untersu- chungen sind von einem ermächtigten Arzt durchführen zu lassen, die Ergebnisse sind in Vordrucken festzuhalten, die in Kopie der Berufsgenossenschaft einzureichen sind. (Adressen von Ärzten und entsprechende Vordrucke sind bei den Berufsgenossenschaf- ten erhältlich.) * Aktenkundige Belehrung der Arbeitnehmer über die Tragepflicht von Atemschutzgeräten. * Installation von technischen Lüftungsanlagen zur Senkung der Nitrosaminkonzentration (gemäß TRGS 552 Punkt 4.1 Technische Schutzmaßnahmen, Abschnitt (4) bis (7)).

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Insbesondere der letzte Abschnitt des Punktes 4 - Installation von technischen Lüftungsanlagen - hat in der unmittelbaren Vergangenheit (auch in Veröffentlichungen der TRGS 552 in 3/1996) für Verunsicherung gesorgt, da bis dato keinerlei begründete und belegte Erfahrungen zur Konzipierung und Dimensionierung einer solchen Lüftungsanlage vorlagen, um die wirksame Absenkung der Nitrosaminkonzentration zu gewährleisten. Die Berufsgenossenschaft Großhandel und Lagerei hat dazu von März 1994 bis Juni 1996 mit Unterstützung des BRV einen praktischen Großversuch im Reifenlager eines BRV-Mitgliedbetriebes durchgeführt. Dessen Abschlussbericht " Technische Lüftungsanlagen in einem nitrosaminbelasteten Reifenlager" wurde mit Datum 17. Februar 1997 nun vorgelegt: "Als Ergebnis der durchgeführten Untersuchungen ist zusammenfassend festzustellen, dass bei Dauerbetrieb der Lüftungsanlage - ein solcher ist insbesondere in den Sommermonaten zu empfehlen, in denen die Nitrosaminkonzentration bis zum vierfachen über der Konzentration in der kalten Jahreszeit liegt -ein zweifacher Luftwechsel pro Stunde ausreichend ist, den TRK-Wert für Nitrosamine sicher zu unterschreiten."

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Abschließend sei vermerkt, dass die BRV-Geschäftsstelle parallel zu den inhaltlichen Problemen der Nitrosaminproblematik durch unseren Justitiar den rechtlichen Anspruch auf den Ersatz der Belastungen des Reifenfachhandels (Kosten für technische Entlüftungen und Sonderabschreibungen für Gebäude etc.) durch den Verursacher (Reifenhersteller, Materiallieferanten, etc. ) nach dem Produkthaftungsgesetz hat überprüfen lassen. Leider ohne den erwünschten positiven Bescheid, d.h. Ansprüche nach dem Produkthaftungsgesetz im Hinblick auf die erwartenden Umrüstkosten etc. sind nicht gegeben.

Die entsprechenden Unterlagen * TRGS 552 Nitrosamine vom März 1996 und * Abschlussbericht "Technische Lüftungsmaßnahmen in einem nitrosaminbelasteten Reifenlager" der BG Großhandel und Lagerei vom Februar 1997 können in der BRV-Geschäftsstelle angefordert werden.

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)