Nachschneiden von Reifen - Arbeitsanweisung

Nachschneiden von Nutzfahrzeug-Reifen sowie Reifen von Fahrzeugen mit einem zulässigen Gesamtgewicht größer als 3,5 Tonnen

Arbeitsanleitung Beim Nachschneiden von Reifen handelt es sich um eine zeitgemäße Dienstleistung des Vulkaniseur- und Reifenmechaniker-Handwerkes. In dieser Serviceleistung stellt sich dessen Fachkompetenz in Sachen Serviceleistung, Know How und Umweltbewusstsein dar.

Folgende Kriterien sind beim Nachschneiden von Nutzfahrzeugreifen zu beachten und als Grundlage zu berücksichtigen: Das Nachschneiden von Reifen darf nur durch qualifiziertes und sachkundiges Personal durchgeführt werde.

Die Verwendung von nachgeschnittenen Reifen an motorisierten Zweirädern und anderen Kraftfahrzeugen bis zu einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 t ist unzulässig. Es dürfen nur Reifen nachgeschnitten werden, die auf den Seitenwänden die Zusatzbezeichnung "REGROOVABLE" oder das entsprechende Symbol (gemäß 3.1.9 der ECE-Richtlinie 54 in der Fassung der 2. Ergänzung vom 3. September 1998) tragen.

Beim Nachschneiden von Reifen sind die spezifischen Anforderungen und technischen Anleitungen der Reifenhersteller und Runderneuerer zu beachten. Die Bearbeitung des Reifens ist nach ihren detaillierten Angaben zu Reifengröße und Profil mittels der von ihnen angegebenen abgerundeten Schneidemesser vorzunehmen. Eine Unterschreitung der Grundgummistärke von 2 mm ist unzulässig. Das Nachschneiden darf grundsätzlich nur mit heizbaren Nachschneidewerkzeugen oder Geräten durchgeführt werden.

Der bearbeitende Reifen ist auf Verletzungen und andere Mängel zu prüfen: Hierbei müssen die unten stehenden Fragen und Feststellungen grundsätzlich in die Entscheidung mit einbezogen werden! Im Zweifelsfall und bei nicht klar beurteilbaren Schäden/ Schadensbildern ist von der Bearbeitung des Reifens Abstand zu nehmen: - Sind am Reifen Schäden, wie Schnittverletzungen, Profilausbrüche oder auch z.B. mechanische oder chemische Beschädigungen durch Öle, Fette, etc. feststellbar? - Lässt der Allgemeinzustand des Reifens (Wulst-/Reifenverschleißbild) das Nachschneiden zu? - Zeigt der Reifen Ermüdungserscheinungen durch Überalterungsanzeichen? - Ist das Nachschneiden des Reifens wirtschaftlich vertretbar, auch unter dem Gesichtspunkt des Erhalts der Runderneuerungsfähigkeit?

Es sind die gesetzlichen Vorschriften zu berücksichtigen und einzuhalten. (§ 36 Abs. 2 StVZO "Richtlinie für die Beurteilung von Luftreifen" vom 29. August 1980 Stv. 13/36.25.07-00 und deren Ergänzung vom 26. Februar 1993 Stv. 13/36.25.07-00124Va92 und "Richtlinie für das Nachschneiden von Reifen an Nutzfahrzeugen" vom 19. Juli 1996.)

Arbeitsanweisung zum Nachschneiden von Reifen

1. Kontrolle 1.1. Prüfung des Reifens Den Reifen durch Sichtkontrolle auf Beschädigungen von Lauffläche und Seitenwän- den, auf Defekte, Verletzungen durch Anprall und Einfahrschäden prüfen. Festge - stellte Schäden sind deutlich zu kennzeichnen. Den Reifen nach den festgestellten Beurteilungskriterien entweder einer eventuellen Reparatur zuführen, austauschen oder der weiteren Bearbeitung zuführen.

1.2 Kontrolle der nachzuschneidenen Profilrillen Die nach den technischen Angaben des Reifenherstellers, des Runderneuerers oder des Laufflächenmaterialherstellers zu bearbeitenden Profilrillen auf Fremdkörper, z.B. Metallspäne, Steine, etc. hin untersuchen und säubern. 1.3 Ermittlung der vorhandenen Restprofiltiefe Die Stelle mit der niedrigsten Profiltiefe der zu bearbeitenden Rille(n) des Reifens ermitteln und als Grundlage für die Tiefeneinstellung des Schneidewerkzeuges heranziehen.

1.4 Ermittlung der Grundgummistärke Bei erneuerten Reifen mit vorgefertigten Laufstreifen sind die Grundgummistärken auf Grund der Hersteller- oder der technischen Daten des Laufstreifenherstellers zugrunde zu legen. Im Falle zu geringer Grundgummistärken muss der Hersteller runderneuerter Reifen die seitliche Kennzeichnung "REGROOVABLE" durch Ausschleifen entfernen. Falls keine Anleitungen oder Angaben des Reifenherstellers oder Runderneuerers zum Nachschneiden des Reifens vorhanden sind, muss die Grundgummistärke ermittelt werden, um den Reifen nach den gesetzlichen Richtlinien nachschneiden zu können. Hierzu ist an der Stelle mit der geringsten Profiltiefe des Reifens eine Messprobe mittels geeigneten Werkzeuges (z.B. Nadelpiker, dünner Vorstecher) vorzunehmen und auszuwerten. Die Grundgummistärke von mindestens 2 mm oberhalb des Zwischenbaus bzw. der oberen Gürtellage muss beim Nachschneiden erhalten bleiben.

2. Bearbeitung des Reifens Die Arbeitsanweisung zum Nachschneiden von Reifen des jeweiligen Herstellers auswählen und das Nachschneidewerkzeug nach seinen Angaben bezogen auf Messergröße und Profiltiefe einstellen oder aufgrund der ermittelten Grundstärke und des Restprofils die Einstellungen vornehmen. 2.1 Nachschneiden des Reifens Es sind alle Rillen und Profileinschnitte nach Herstellerangaben oder nach den gesetzlichen Richtlinien des § 36 StVZO mittels geeigneter, abgerundeter Nach- schneidemesser nachzuschneiden. Das Schneidemesser ist so auszuwählen, dass es beim Nachschneiden gänzlich im Gummi der noch vorhandenen Profilrille geführt wird, um eine Überhitzung mit eventuell entstehenden Folgeschäden zu vermeiden. Es ist ferner darauf zu achten, dass die Schneidegeschwindigkeit des Werkzeuges so geführt wird, dass eine Überhitzung oder gar ein Glühen des Messers verhindert wird. Im Falle von Überhitzungsanzeichen des Nachschneidemessers ist die Einstellung des Gerätes, falls möglich, um ein bis zwei Stufen zu verringern oder die Vorschub- geschwindigkeit zu erhöhen.

3. Fertigstellen des Reifens und Endkontrolle Abschließend alle Gummirückstände aus den nachgeschnittenen Profilrillen entfer- nen und den Reifen noch einmal in allen Bereichen auf Fehlerfreiheit und Zulässig- keit gemäß § 36 hin prüfen. Verfasser: Michael Immler, Sachverständiger für das Vulkaniseur-Handwerk

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)