Nachschneiden von Reifen an Nutzfahrzeugen

Nachschneiden von Reifen an Nutzfahrzeugen

Auch das Thema "Nachschneiden von kalt-erneuerten Reifen an Nutzfahrzeugen" wird immer wieder an die BRV-Geschäftsstelle herangetragen. Dementsprechend hier noch einmal unser Grundsatzstatement: Die gesetzlichen Grundlagen zur Bewertung der Gesamtthematik sind für jeden Runderneuerer das Produkthaftungs- und Gewährleistungsrecht und das Straßenverkehrsrecht (StVZO).

Gemäß Produkthaftungs- und Gewährleistungsrecht ist der Hersteller eines runderneuerten Reifens grundsätzlich für die Gebrauchswerteigenschaften seiner Produkte verantwortlich und muss diese entsprechend der gesetzlich vorgeschriebenen Kennzeichnungspflicht für Reifen (§ 36 Abs. 2 StVZO - "Richtlinie für eine einheitliche Kennzeichnung von Luftreifen" vom 1. Januar 1990) auch am Reifen anbringen. Dies betrifft gleichfalls in vollem Umfang die Zusatzkennzeichnung "regroovable" nachschneidbar) oder das entsprechende Symbol gemäß ECE-Richtlinie 54, Punkt 3.1.9 in der Fassung der 2. Ergänzung vom 3. September 1998. Das heißt, dass der Runderneuerer, insbesondere der Kalt-Erneuerer, der diese Zusatzkennzeichnung auf der Originalkarkasse belässt, auch gewährleistungsrechtlich voll haftbar dafür ist, dass der Reifen auch tatsächlich nachschneidbar ist. Für den Runderneuerer, der das Nachschneiden eines entsprechenden Reifens auch nach der Kalt-Erneuerung gewährleisten möchte, bedeutet dies, dass der Reifen eine "Grundgummistärke oberhalb des Zwischenbaus bzw. des Gürtels von mindestens 2 mm" haben muss (siehe Punkt 5.2 der "Richtlinie für das Nachschneiden von Reifen an Nutzfahrzeugen"). Andernfalls ist ein Nachschneiden gesetzlich unzulässig.

Wir empfehlen also dem Kalt-Erneuerer, sofern nicht durch den Hersteller des vorgefertigten Laufstreifens zweifelsfrei und rechtsverbindlich die Garantie abgegeben wird, dass die geforderte Grundgummistärke gegeben ist, aus gewährleistungsrechtlichen Gründen die Zusatzkennzeichnung "regroovable" durch Ausschleifen von der Originalkarkasse zu entfernen. Dieses Vorgehen entspricht auch der vom BRV-Arbeitskreis "Reifentechnik/Autoservice" herausgegebenen "Arbeitsanweisung zum Nachschneiden von Reifen", die auf der Basis der entsprechenden Richtlinie vom 19. Juli 1996 erarbeitet wurde.

Im entsprechenden Abschnitt des BRV-Handbuches "Reifen, Räder, Recht und mehr" heißt es unter Punkt 1.4 - Ermittlung der Grundgummistärke: "Bei erneuerten Reifen mit vorgefertigten Laufstreifen sind die Grundgummistärken auf Grund der Hersteller- oder technischen Daten des Laufstreifenherstellers zugrunde zu legen. Im Fall zu geringer Grundgummistärken muss der Hersteller runderneuerter Reifen die seitliche Kennzeichnung "regroovable" durch Ausschleifen entfernen. Falls keine Anleitung oder Angaben des Reifens vorhanden sind, muss die Grundgummistärke ermittelt werden, um den Reifen nach den gesetzlichen Richtlinien nachschneiden zu können. (...) Die Grundgummistärke von mindestens 2 mm oberhalb des Zwischenbaus bzw. der oberen Gürtellage muss beim Nachschneiden erhalten bleiben."

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)