Mischbereifung Teil III

Mischbereifung Teil III - Auf welche Achse die besseren Reifen?

Auf welche Achse? In der BRV-Geschäftsstelle häufen sich die Anfragen von Verbrauchern und BRV-Mitgliedern hinsichtlich der Fragestellung, auf welche Achse diejenigen Reifen mit dem besseren Profil zu montieren seien. Dies sicherlich insbesondere im Zusammenhang mit dem laufenden M+S-Geschäft. Deshalb sei an dieser Stelle nochmals die entsprechende ADAC-Berichterstattung - unter den gleichen Titel - veröffentlicht, auf die wir in unseren Antworten gegenüber Verbrauchern jeweils Bezug nehmen und die wir Ihnen hiermit gleichfalls empfehlen (siehe auch unter www.adac.de): "Auf welche Achse die besseren Reifen?" Die Frage, auf welche Achse unter Sicherheitsgesichtspunkten die besseren, also weniger abgefahrenen Reifen montiert werden sollten, sorgt immer wieder für kontroverse Diskussionen. Hierzu folgende Überlegungen: Neben der Übertragung der Antriebskräfte muss der Reifen grundsätzlich Bremskräfte sowie Seitenführungskräfte zuverlässig auf die Fahrbahn übertragen können.

Wie die Anforderungen im einzelnen aussehen, hat der Reifenhersteller Michelin in der folgenden Tabelle in der linken Spalte dargestellt. Für die Beantwortung unserer Frage besonders wichtig: Die Reifenspezialisten haben, nach entsprechenden Fahrversuchen, "benotet", auf welcher Montageposition der bessere Reifen seine Vorteile ausspielt. Ergänzende Betrachtungen Befassen wir uns nochmals mit dem Teil II der Tabelle, den "kritischen Fahrzuständen": Entscheidend für die Richtungsstabilität des Fahrzeugs, sowohl in Kurven, wie auch bei Geradeausfahrt sind die Seitenführungskräfte der Hinterachse. Blockierende Räder bei einer Bremsung oder Überschreitung der Haftreibung zwischen Reifen und Fahrbahn ("zu schnell in der Kurve") können abrupt zu einem nicht mehr kontrollierbaren Fahrverhalten führen (Fahrzeugheck bricht aus, Übergang zum Schleudern). Diese Seitenführungskräfte fallen bei unzureichender Profiltiefe besonders stark und dann schlagartig ab. Ein Fahrzeug, welches über die Vorderräder zum Kurven-Außenrand schiebt ("Untersteuern") kann problematisch sein.

Mehr als problematisch ist es aber, ein ausbrechendes Fahrzeugheck ("Übersteuern"), in solchen kritischen Fahrsituationen durch Gegenlenken wieder auf den gewünschten Kurs zu bringen. Bei dieser Gelegenheit ein Tip: Informieren Sie sich beim ADAC über das angebotene Fahrsicherheitstraining - all diese Dinge werden dort demonstriert und können so von Ihnen selbst "erfahren" werden. "Bei einer Gegenüberstellung aller Vor- und Nachteile ergibt sich somit, daß kritische Fahrzustände besser beherrschbar sind, wenn die Reifen mit der größeren Profiltiefe auf der Hinterachse montiert werden. Dies gilt für Pkw mit Vorderrad-, Allrad -und Heckantrieb."

Dieser Empfehlung können wir nur noch einmal ausdrücklich anschliessen. Mischbereifung Gesetzliche Grundlagen für die Benutzung von Reifen unterschiedlicher Bauart an einem Fahrzeug ist § 36 (2a) StVZO. Hierin wird nur in Radialreifen und Diagonalreifen unterschieden. Zu den Diagonalreifen zählen auch Bias-Belted-Reifen. Erneuerte Reifen, Winterreifen oder Ganzjahresreifen sind in § 36 (2a) StVZO nicht erwähnt; die Formel ihrer Bauart wird dabei durch ihre jeweilige Karkasse bestimmt.

Auf dieser gesetzlichen Grundlage gilt Folgendes: Unterschiedliche Reifen (Radial- und Diagonal-Reifen) auf einer Achse sind zulässig an Kraftfahrzeugen und ihren Anhängern bis 40 km/h bauartbedingter Höchstgeschwin- digkeit. Außerdem gilt dies grundsätzlich auch für Anhänger, die mit einer 25 km/h- Kennzeichnung versehen sind und so gefahren werden (Betriebsvorschrift).

Pkw sind ausdrücklich von dieser Regelung ausgenommen! Achsweise unterschiedliche Reifen (Radial- und Diagonal-Reifen) sind zulässig an Kraft- fahrzeugen mit mehr als 2,8 t Gesamtgewicht und ihren Anhängern. Außerdem gilt dies auch grundsätzlich für Anhänger, die mit einer 25 km/h-Kennzeichnung versehen sind und so gefahren werden (Betriebsvorschrift). Doppelachsen sind in dieser Betrach- tung wie eine Achse zu behandeln.

Wiederum gilt: Pkw sind ausdrücklich von dieser Regelung ausgenommen! Die Verwendung unterschiedlicher Profile, d.h. Profile für Sommer-, Winter- und Ganzjah- resreifen, auch in runderneuerter Form ist nach § 36 StVZO nicht verboten und in jeder beliebigen Kombination möglich. Allerdings ist der Fahrer bzw. der Halter verpflichtet, für den verkehrssichern Zustand des Fahrzeuges zu sorgen. Sofern also durch die Kombination unterschiedlicher Reifen oder unterschiedlicher Profile die Verkehrssicherheit generell oder in bestimmten Situationen nicht mehr gewährleistet ist, so kann den Fahrer bzw. Halter im Schadensfall zumindest eine Teilschuld treffen.

Winterreifen, deren Geschwindigkeitssymbol niedriger ist als in den Fahrzeugpapieren erforderlich, dürfen unter folgenden Voraussetzungen verwendet werden: - Die Angaben der zulässigen Höchstgeschwindigkeit des Reifens im Blickfeld des Fahrers müssen sinnfällig angegeben sein; diese Geschwindigkeit darf im Betrieb des Fahrzeuges nicht überschritten werden. - Die Reifen müssen korrekt, d.h. durch "M+S", "M&S" oder "M.S." als Winterreifen ge- kennzeichnet sein. Eine Kennzeichnung mit "M-S", "M/S" oder einem Schneeflocken symbol ist nicht ausreichend. Dies ist besonders bei "Allwetterreifen" oder "Ganzjah- resreifen" zu beachten; oft liegt hier keine korrekte Kennzeichnung als M+S-Reifen vor.

- Falls M+S-Reifen und normale Reifen gemischt werden, dürfen nur die M+S-Reifen ein niedrigeres Geschwindigkeitssymbol aufweisen als für das Fahrzeug erforderlich. Die anderen Reifen müssen die nach den Fahrzeugpapieren erforderliche Ge- schwindigkeit abdecken. Reifen unterschiedlicher Größe dürfen an einem Fahrzeug nur dann verwendet wer - den, wenn:

- dies ausdrücklich nach den Fahrzeugpapieren erlaubt ist, z.B. "auch genehm: vorne 225/45 R 16 und hintern 235/40 R 16"; - die Reifen eine Doppelkennzeichnung aufweisen, z.B. vorne 15 R 22,5 und hinten 385/65 R 22,5 mit kleinerer Zusatzkennzeichnung 15 R 22,5 Reifen mit unterschiedlichen Betriebskennungen (Last, Geschwindigkeit) sind erlaubt, sofern diese in jedem Fall die Mindestbedingungen nach den Vorgaben in den Fahr- zeugpapieren abdecken.

Reifen mit unterschiedlichen Profilen dürfen also zwar gemischt werden, es wird aber deutlich davon abgeraten. Empfehlenswert ist es, möglichst Reifen des gleichen Typs und des gleichen Herstellers zu verwenden.

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)