Füllgas (Stickstoff)

Füllgas Stickstoff

Eine Stellungnahme der DWT (Druckluft Werkzeug Technik) GmbH, Gelsenkirchen

Der Einsatz von Reifengasen anstelle von Druckluft ist die Antwort der Luftfahrtindustrie, der Gefahrguttransporteure, der Produzenten von Erdbewegungsfahrzeugen und des automobilen Rennsports auf die Sicherheits- und Qualitätsbedürfnisse dieser Industrien. In all diesen Fällen ist es letztendlich der für den menschlichen Organismus lebensnotwendige Sauerstoff, der die negativen Effekte hervorruft. Nach der Umstellung des früher verwendeten Reifengases SF6 auf das heutzutage meistens eingesetzte Inertgas Stickstoff gibt es nun neue Möglichkeiten, das Intergas direkt vor Ort zu erzeugen. Negative Einflüsse des Sauerstoffs

Die Luft des Luftdrucknetzes besteht zu 21 Prozent aus Sauerstoff, zu 78 Prozent aus Stickstoff und zu 1 Prozent aus sonstigen Edelgasen. Während der menschliche Organismus Sauerstoff zur Aufrechterhaltung des Lebens benötigt, zeigen die in der Luft vorhandenen Sauerstoffanteile in vielen Bereichen auch negative Einflüsse. So wird die Oxidation bei Metallen - allgemein Rost genannt - durch den Einfluss von Sauerstoff bewirkt. Die Alterung von Gummi und Kunststoffen (Sprödigkeit, Brüchigkeit) ist nur dem Einfluss des Sauerstoffes zuzuschreiben. Das Welken vom Blumen, Salat und allen anderen Obstsorten würde ohne den Einfluss des Sauerstoffes deutlich verringert werden. So setzen z.B. viele Bauern Stickstoff ein, um den Reifeprozess der Früchte um bis zu sechs Monate zu verzögern. Auch andere Lebensmittel, wie z.B. Käse und Wurst, werden unter Stickstoff verpackt, um die Lebensdauer beim Verbraucher zu erhöhen. Dieses Verfahren, dass als modifizierte Atmosphäre bezeichnet wird, ist schon seit vielen Jahren üblich. Auch in Bezug auf den Reifen lassen sich vielfältige Nachteile erkennen. Bedingt durch eine höhere Kondensationstemperatur sowie einem anderen Partialdruckverhältnis neigen die Sauerstoffmoleküle dazu, bei Druckunterschieden zur Atmosphäre durch eine Gummiwand zu entweichen. Dieser Effekt, auch Diffusion genannt, bewirkt bei Reifenfüllungen mit Luftdruck auf Dauer einen Druckverlust im Reifen.

Der in der normalen Druckluft vorhandene Sauerstoff führt zusammen mit Feuchtigkeit und Restölen, die ebenfalls in der Druckluft vorhanden sind, zusätzlich zu Oxidationserscheinungen und Alterung an Felge, Reifen und Ventil. Auch diese werden durch trockenen, sauberen Stickstoff vermieden, was z.B. bei Karkassen maßgeblichen Einfluss auf die Runderneuerungsfähigkeit hat. Entzündungen können bei Überhitzung durch die mit Ölbestandteilen der Kompressorschmierung und Gummistaub im Reifeninneren gemischte Druckluft entstehen. Diese sogenannten Selbstentzündungen sind jedoch nur bei einer Mindest-Sauerstoffgrenzkonzentration möglich, die üblicherweise bei einem Sauerstoffanteil von mindestens 12 Prozent liegt. Wird dieser Sauerstoffanteil reduziert, z.B. durch die Füllung mit Stickstoff, können Selbstentzündungen nicht mehr stattfinden.

Stickstoff aus Stahlflaschen - Schluss mit dem Unsinn!

Stickstoff ist ebenso wie das frühere Reifengas Schwefelhexafluorid in Stahlflaschen lieferbar. Jedoch ist der Bezug des Gases in dieser Lieferform mit sehr viel Aufwand verbunden. So muss der Kunde Transportkosten, Gefahrgutzuschläge und Mietkosten für die Stahlflaschen bezahlen. Hierzu kommt der hohe Preis für die Füllung des Gases. Auch das Gefahrenpotential durch die Lagerung von Druckgasflaschen (200 bar), die Verletzungsgefahr beim Transport und Handling der Flaschen trägt dazu bei, dass die Versorgung mit Stickstoff aus Stahlflaschen nicht akzeptabel ist.

Während Stickstoff bis vor 10 Jahren nur in sehr großen Mengen durch sogenannte Luftzerlegungsanlagen gewonnen wurde, gibt es seit einigen Jahren die Möglichkeit, das Gas schon in kleinen Mengen direkt aus der Druckluft des Anwenders zu gewinnen. Durch einen sehr einfachen Filterprozess der stets vorhandenen Druckluft lässt sich Stickstoff heutzutage in der Reifenwerkstatt vor Ort produzieren. Da der Stickstofferzeuger lediglich Druckluft als Betriebsmittel benötigt, werden die Kosten für die Reifenfüllung minimal. So kann ein Reifen mit einem Volumen von 35 Normlitern für weniger als 0,03 DM mit Stickstoff als Reifengas auf 2 bar gefüllt werden. Somit kann dem Kraftfahrer schon zu sehr geringen Kosten dieser Nutzen geboten werden.

Die Stickstoffgeneratoren gibt es schon in Baugrößen ab 0,2 Nm3/h, so dass schon geringe Bedarfsmenge damit abgedeckt werden können, die bisher durch Stickstoff in Stahlflaschen geliefert wurden. Durch die kleine und kompakte Bauform kann der Generator überall aufgestellt oder eingebaut werden. Er besetzt lediglich drei Anschlüsse, einen für die Druckluftzufuhr und zwei weitere für den sauerstoff- bzw. stickstoffangereicherten Strom und ist somit einfach und schnell vom Anwender zu installieren. Ausblick

Da ein Großteil der Kraftfahrer die Kontrolle des Luftdrucks vernachlässigt und dem Kunden ein zusätzlicher Service mit geringen Investitionskosten geboten wird, kann Stickstoff als interessante Alternative zur normalen Füllung mit Druckluft dienen!

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)