Fabrikatsbindung

Fabrikatsanbindung

Reifenfabrikatsbindung ab sofort rechtsunwirksam - Top-Informationspolitik des BRV stößt auf breites positives Echo in der Branche Diesmal waren die BRV-Mitglieder wohl tatsächlich die ersten, die umfangreich über dieses äußerst branchenrelevante Thema informiert waren. Und dies, obwohl die BRV-Geschäftsstelle erst auf Nachfrage mit dem Schreiben vom 17. März 2000 vom Bundesministerium für Verkehr, Bau-und Wohnungswesen (BMVBW) offiziell die entsprechende Mitteilung bekommen hatte, obwohl Kraftfahrt-Bundesamt bereits Mitte Februar vom BMVBW angewiesen worden war, die Polizeibehörden und Technischen Dienste in diesem Sinne zu informieren. Aber von dort aus hat man wohl - und tut dies zum Teil auch heute noch - "den Ball flach gehalten", so dass bis heute, insbesondere bei einigen Technischen Diensten, mangels eindeutiger Informationen große Unsicherheit herrscht. Nichtsdestotrotz - Wie auch immer die unterschiedlichen Reaktionen von einzelnen Technischen Diensten oder auch Automobilherstellern etc. vor Ort aussehen mögen: Es ist eindeutig so, wie wir Sie entweder per E-Mail am 20. März 2000 (so Ihre E-Mail-Adresse bei uns gelistet ist... Wenn noch nicht geschehen, sollten Sie dies schnellstmöglich nachholen!) oder mit der Beilage zu "Trends + Facts" Nr. 2/2000 in der 13. Kalenderwoche informiert haben. Die Reifenfabrikatsbindung ist ab sofort rechtsunwirksam!

Auch der BRV-Arbeitskreis "Reifentechnik/Autoservice" hat in seiner Sitzung am 22. März 2000 diese Entwicklung ausdrücklich begrüßt. Damit sei zum einen ein Abbau von Handelshemmnissen verbunden, zum anderen sei dies eine weitere Chance, sich als Reifenfachhandelsbetrieb gegenüber den Kunden noch stärker zu profilieren. Aber jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten, so auch diese. Zwar erhöhen sich auf der einen Seite natürlich deutlich unsere Chancen, Kunden noch fachgerechter und umfangreicher hinsichtlich der möglichen Bereifung zu beraten. Und dies trifft für die Mehrzahl der in Deutschland zugelassenen Serienfahrzeuge in Bezug auf alle Bereifungsvarianten (Sommer-, Winter-, Ganzjahresreifen) zu. Es erhöht aber auf der anderen Seite auch unsere Verantwortung gegenüber unseren Kunden. Der Gesetzgeber hat nunmehr zwar festlegt, dass die Aufhebung der Reifenfabrikatsbindung gleichzeitig auch bedeutet, dass jetzt der Fahrzeughalter/- führer gemäß Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO) dafür verantwortlich ist, dass bei der Verwendung von Reifen unter Beachtung der im Fahrzeugschein angegebenen Größenbezeichnungen keine Sicherheitsprobleme bestehen (wir hatten in unserem Rundschreiben unter "Aber Achtung!" darauf hingewiesen). Wir müssen aber davon ausgehen, dass er dieser Verantwortung mit der Inanspruchnahme eines Reifenfachhandelsbetriebes nachkommt.

Das heißt: Beraten wir einen Kunden/Fahrzeughalter/-führer falsch und wird dadurch die Verkehrssicherheit generell oder in bestimmten Situationen nicht mehr gewährleistet, kann auch uns im Schadensfall zumindest eine Teilschuld treffen. Auch dieser Tatumstand ist an und für sich nicht neu und gilt schon immer. Er gewinnt aber jetzt, insbesondere im Hochgeschwindigkeitsbereich, zusätzliche Bedeutung (auch darauf haben wir in unserem Rundschreiben bereits aufmerksam gemacht). Daher hält es der BRV-Arbeitskreis "Reifentechnik/Autoservice" dringend für geboten, diesen "Hochgeschwindigkeitsbereich" einmal genauer zu definieren:

1. Der Hochgeschwindigkeitsbereich beginnt beim Geschwindigkeitsindex V und betrifft besonders W-, Y-und ZR-Reifen. Hierbei sind die folgenden Einflussfaktoren zu beachten:

Berücksichtigung der Tragfähigkeitsabschläge

* bei V-Reifen, wenn die Maximalgeschwindigkeit des Fahrzeugs (Höchstge schwindig- keit laut Fahrzeugschein plus Toleranz-Faustregel 9 km/h) über 210 km/h liegt * bei W-, Y- und ZR-Reifen, wenn die Maximalgeschwindigkeit über 240 km/h liegt (siehe dazu auch die entsprechenden Abschnitte im BRV-Handbuch "Reifen, Räder, Recht und mehr", Stichwort: Geschwindigkeitsindex)

Berücksichtigung des Reifenumfangs

Die ETRTO lässt hier eine Toleranz von +/- 3 Prozent zu, die wesentlichen Einfluss auf die Freigängigkeit des Reifens, den Tachometer und das Gesamtfahrverhalten des Fahr- zeugs haben kann, insbesondere wenn unterschiedliche Dimensionen auf Vorder- und Hinterachse gefahren werden - Getriebeabstimmung etc.

Berücksichtigung der Reifenbreite

Hier lässt die ETRTO eine Toleranz von +/- 4 Prozent zu, die gleichfalls wesentliche Aus- wirkungen, besonders auf die Freigängigkeit des Reifens hat (vgl. dazu auch den ent- sprechenden Abschnitt im BRV-Handbuch "Reifen, Räder, Recht und mehr", Stichwort: Reifenbreite).

Um diese Einflussfaktoren (und möglicherweise weitere) auch tatsächlich zu berücksich- tigen, empfiehlt der BRV-Arbeitskreis "Reifentechnik/Autoservice", im Zweifelsfall grund- sätzlich vor der Umbereifung Rücksprache mit dem jeweiligen Reifenhersteller zu neh- men und sich und den Kunden wie in der Vergangenheit über eine entsprechende Unbedenklichkeitsbescheinigung/Unbedenklichkeitserklärung abzusichern. Allerdings muss diese jetzt nicht mehr dem Technischen Dienst vorgelegt werden und es bedarf auch keiner Änderung in den Fahrzeugpapieren (soweit es sich auf das Reifenfabrikat bezieht). 2. Bei den für den Straßenverkehr zugelassenen Sportautomobilen ("Rennwagen") wie z.B. Porsche, Ferrari, Corvette usw. empfiehlt der BRV-Arbeitskreis "Reifentechnik/ Autoser-vice" ausdrücklich, den Eintragungen in den Fahrzeugpapieren bzw. den Empfehlungen der Automobilhersteller hinsichtlich des Reifenfabrikats unbedingt Folge zu leisten. Dieses Thema an diesen Fahrzeugen ist so kompliziert, dass es nur vom Automobilhersteller selbst verantwortbar ist. Im Übrigen ist es natürlich generell niemandem verboten, den in den Fahrzeugpapieren noch vorgenommenen Fabrikatsbindungen aus welchem Grund auch immer Folge zu leisten, auch wenn es sich "nur noch" um Empfehlungen handelt.

Der Gesamtkomplex dieser Aufhebung der Fabrikatsbindung über die entsprechenden Einträge in den Fahrzeugpapieren bezieht sich natürlich auch auf das Gebiet der sogenannten "Sonder-ABEs". Nach wie vor bleibt es selbstverständlich dabei, dass Rad-/Reifenkombinationen (Felgen- und Reifendimension), die nicht in den Fahrzeugpapieren aufgeführt sind, einer Sonder-ABE bedürfen und über eine Änderungsabnahme durch die Prüfinstanzen in die Fahrzeugpapiere nachgetragen werden müssen. Aber auch hier sind in der Vergangenheit Fabrikatsbindungen vorgenommen worden, die jetzt rechtsunwirksam und damit nicht mehr Bestandteil der Änderungsabnahme sind! Auch hier rät der BRV-Arbeitskreis "Reifentechnik/Autoservice" eindringlich, vor der Umbereifung Rücksprache mit den jeweiligen Reifenherstellern zu nehmen und über eine entsprechende Unbedenklichkeitsbescheinigung/Unbedenklichkeitserklärung eindeutig abzusichern, dass die in diesem Bereich besonders oft relevanten Freigängigskeitsprobleme auch mit der "neuen" Bereifung nicht auftreten. Auch bleibt es natürlich jedem Reifenfachhändler selbst überlassen, ob er den ursprünglichen Fabrikatsbindungen - jetzt Empfehlungen - Folge leistet.

Abschließend sei der Vollständigkeit halber nochmals darauf hingewiesen, dass der Gesetzgeber bei Motorrädern eine Ausnahme hinsichtlich der Aufhebung der Reifenfabrikatsbindung gemacht hat. Hier muss dem Fahrzeughalter/-führer eine "Hersteller-, Unbedenklichkeits- und Umrüstbescheinigung" des Fahrzeug- oder Reifenherstellers ausgehändigt werden, die dieser mit sich führen muss (eine Änderungsabnahme durch die Prüfinstanzen ist allerdings nicht erforderlich).

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Wegfall der Fabrikatsbindung für Reifen Beratung der Kunden hat oberste Priorität

Da zu diesem Thema nach wie vor Unsicherheit in unserer Branche herrscht, (vgl. auch unseren Artikel zur Herbstsitzung des BRV-Arbeitskreises "Reifentechnik/Autoservice"), haben sich BRV und WDK gemeinsam entschlossen, einmal eine etwas andere Form der Darstellung der Kernpunkte des Umgangs mit dem Wegfall der Fabrikatsbindung für Reifen zu wählen. Diese ersetzt selbstverständlich nicht die bereits erfolgten umfangreichen und detaillierten Veröffentlichungen des BRV und der einzelnen Reifenhersteller, sondern soll einen vereinfachten Überblick über die Gesamtthematik bieten.

Noch einmal zu unterstreichen bleibt die noch wichtiger gewordene Informations- und Aufklärungspflicht durch den Reifenfachhandel gegenüber Fahrzeughalter/Fahrzeugführer im Pkw- und Lkw-Bereich. D.h. dem Reifenfachhandel fällt die Aufgabe zu, den Kunden bei der Wahl der Reifen ausführlich zu beraten, da normalerweise nur er über die notwendige Fachkunde verfügt. Sollte er die Information nicht vorliegen haben, so ist der Kundendienst des jeweiligen Reifenherstellers zu Rate zu ziehen, um die notwendigen Daten einzuholen oder es ist den "Empfehlungen" der Automobilhersteller Folge zu leisten. Nur so lässt sich im Zweifelsfall ein Haftungsrisiko ausschließen. Sollte der Kunde - entgegen der Beratung - auf die Montage eines bestimmten Reifens bestehen, so wird empfohlen, sich dies schriftlich von ihm bestätigen zu lassen.

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)