ECE-R 108/109 Spezialreigen Definition

"Spezialreifen" - Definition

Ende des vergangenen Jahres hatten wir uns mit der Thematik "Spezialreifen" an das Kraftfahrt- Bundesamt (KBA) gewandt, um eine Klärung der immer wieder auftauchenden Fragen zu diesem Thema herbeizuführen. Wir hatten dabei wie folgt ausgeführt: "Die Definition "Spezialreifen" wurde bereits zum Koordinierungsgespräch am 10. November 1998 einvernehmlich zwischen den Technischen Diensten (TÜV Rheinland, TÜV Süddeutschland, DEKRA Dresden), dem BRV und der Genehmigungsbehörde - KBA - abgestimmt und lautet folgendermaßen: In der ECE-R 109 werden unter Punkt 2 "Begriffsbestimmungen" bzw. unter Punkt 2.3 "Verwendungsart" die folgenden Reifenarten aufgeführt - 2.3.1 Normalreifen - 2.3.2 Spezialreifen (siehe auch Anhang 7, Anlage 1) - 2.3.3 M+S-Reifen Unter Berücksichtigung der Spezifika der Runderneuerung und des Standes der Technik bedarf es dazu weiterer tiefer gehender Erläuterungen, die auch der Praxis entsprechen. Normalreifen sind runderneuerte Lkw-Reifen, die uneingeschränkt an Nutzfahrzeugen, z.B. auch auf der Lenkachse, an 100 km/h-Kraftomnibussen und im Güterfernverkehr, eingesetzt werden können und damit die absolute Premiumqualität darstellen.

Spezialreifen sind runderneuerte Lkw-Reifen, die von vorneherein für einen ganz speziellen Einsatz vorgesehen sind, d.h. es sind Reifen, die nur eingeschränkt, entsprechend der Festlegung des Herstellers (= Runderneuerers) eingesetzt werden dürfen. Dieser spezielle Einsatz wird entweder durch die Profilgestaltung der Reifen (On/Off-Profile, M+S-Profile etc.), die nur auf den Hinterachsen zu montieren sind, oder durch ein eingeschränktes und vorgegebenes Einsatzgebiet (z.B. Verteilerverkehr, Nahverkehr, City-Busbereich, städtischer Entsorgungsbereich) definiert. Dementsprechend sind vom Hersteller (Runderneuerer) diese Spezialreifen auch gesondert zu kennzeichnen. Diese Kennzeichnung muss einer konkret definierten Einsatzzuordnung entsprechen, d.h. beginnend in den internen Qualitätsaufzeichnungen, über die Dokumentation auf Lieferscheinen und Rechnungen, bis hin zur Dokumentation in den Prospekt- und Werbeunterlagen, so dass beim Ver- braucher/Anwender keinerlei Zweifel über den vorgeschriebenen Einsatz entstehen. M+S-Reifen können je nach Klassifizierung des Herstellers (Runderneuerers) sowohl Normalreifen (für den uneingeschränkten Einsatz) als auch Spezialreifen (für den konkret vorgeschriebenen, speziellen Einsatz) sein."

Mit dem nunmehr vorliegenden beglaubigten Schreiben des KBA vom 18. Januar 2000 schließt sich dieses de facto der Meinung des BRV an. Es heißt in diesem Schreiben wörtlich: "Die ECE-Regelung 109 entspricht hinsichtlich des technischen Prüfumfanges der ECE-Regelung 54. Auch dort werden Spezialreifen und Normalreifen unterschieden. Spezialreifen unterliegen nach der ECE-Regelung 54 keiner besonderen Kennzeichnungspflicht hinsichtlich ihres eingeschränkten Verwendungsbereiches. Das Gefährdungspotenzial, das durch die Verwendung von -nicht gekennzeichneten -Spezialreifen statt Normalreifen entstehen kann, ist somit bei runderneuerten Reifen nicht größer als bei neuen Reifen (ECE-Regelung 54). Unter Berücksichtigung dieses Sachverhaltes vertritt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zu der Kennzeichnung von Spezialreifen folgende Auffassung: Jeder Hersteller kann sein eigenes Kennzeichnungssystem verwenden. Dieses Kennzeichnungssystem, das nicht zwangsläufig eine Reifenkennzeichnung auf dem Reifen bedeutet, muss gewährleisten, dass Normalreifen nur aus dafür geeigneten Reifen hergestellt werden und Spezialreifen in geeigneter Art und Weise von der Runderneuerung bis zum Anwender als solche erkennbar sind (Produktionsdokumentation, Prospektmaterial usw.), so dass der eingeschränkte Verwendungsbereich immer herleitbar ist.

Spezielle oder einheitliche Kennzeichnungsvorschriften, die sich dem Verwender dieser runderneuerten Reifen offensichtlich als Spezialreifen darstellen und den eingeschränkten Verwendungsbereich anzeigen, wären wünschenswert. Allerdings wird kein Handlungsbedarf in Bezug auf eine einheitliche Kennzeichnung gesehen, solange eine solche Kennzeichnungsvorschrift für Spezialreifen im Rahmen der ECE-54 nicht vorgesehen ist."

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)