Abrollgeräusche von Reifen:

Änderung der Richtlinie 92/23 EWG bezüglich der Begrenzung des Abrollgeräuschs von Luftreifen - Auswirkungen auf die Runderneuerungsbranche

Nachstehenden Brief schrieb der BRV an den Federführenden des FKT-Sonderausschusses "Räder und Reifen", der den Bundesminister für Verkehr in wichtigen reifen- und räderspezifischen Fragen berät:

"Gemäß industriellem Dossier 97/0348 (COD) des Rates der Europäischen Union vom 24. März 2000 - "Gemeinsamer Standpunkt des Rates im Hinblick auf den Erlass der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Richtlinie 92/23 EWG des Rates über Reifen von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern und über ihre Montage" - ist davon auszugehen, dass diese Änderung der Richtlinie 92/23 EWG bezüglich der Begrenzung des Abrollgeräuschs von Luftreifen durch die Richtlinie 2000/ /EG in Kürze verabschiedet wird. Im Artikel 10a der Richtlinie 2000/ /EG (Änderung der Richtlinie 92/23 EWG) wird Folgendes ausgeführt:

(2) Ab dem ... (24 Monate nach Inkrafttreten dieser Richtlinie) dürfen die Mitgliedsstaaten für die, in den Anwendungsbereich dieser Richtlinie fallenden Reifentypen, die die Vor- schriften dieser Richtlinie in der Fassung der Richtlinie 2000/ /EG nicht erfüllen, keine EG-Typengenehmigung mehr erteilen und müssen die Erteilung der Betriebserlaubnis mit nationaler Geltung verweigern. (3) Ab dem ... (30 Monate nach Inkrafttreten dieser Richtlinie) dürfen die Mitgliedsstaaten für einen Fahrzeugtyp aus Gründen, die sich auf die Reifen oder deren Montage bezie- hen, keine EG-Typengenehmigung oder Betriebserlaubnis mit nationaler Geltung mehr erteilen, wenn die Vorschriften dieser Richtlinie in der Fassung der Richtlinie 2000/ /EG nicht erfüllt sind. (4) Ab dem ... (42 Monate nach Inkrafttreten dieser Richtlinie) müssen die Mitgliedsstaaten a) die gemäß Richtlinie 70/156/EWG ausgestellten Übereinstimmungsbescheinigungen für Neufahrzeuge als nicht mehr gültig im Sinne des Artikels 7 Abs. 1 der genannten Richtlinie betrachten, wenn die Vorschriften dieser Richtlinie in der Fassung der Richt- linie 2000/ /EG nicht erfüllt sind, und b) bei Neufahrzeugen, die die Vorschriften dieser Richtlinie in der Fassung der Richtlinie 2000/ /EG nicht erfüllen, die Zulassung verweigern oder den Verkauf und die Inbe- triebnahme verbieten.

(5) Ab dem 1. Oktober 2005 gelten die Vorschriften dieser Richtlinie in der Fassung der Richtlinie 2000/ /EG für die Zwecke des Artikels 7 Abs. 2 der Richtlinie 70/156/EWG für alle Reifen, die in den Anwendungsbereich der vorliegenden Richtlinie fallen.

Auch wenn diese Regelungen sich zur Zeit nur auf Neureifen beziehen, muss definitiv davon ausgegangen werden, dass sie in Folge auch auf runderneuerte Reifen verbindlich angewendet werden, d.h. die ECE-Regelungen 108 und 109 um die Begrenzung des Abrollgeräusches für runderneuerte Reifen ergänzt werden. Als zeitliche Orientierung sollte hierzu spätestens der 1. Oktober 2005 (Artikel 10a Abs. (5) der Richtlinie 2000/ /EG) herangezogen werden. Geht man im ersten Schritt von einer analogen Umsetzung der Richtlinie für Neureifen auch für runderneuerte Reifen aus, so würde dies im Einzelnen für jeden Runderneuerungsbetrieb bedeuten: Für jeden vom Runderneuerer produzierten Reifentyp (Reifenreihe, Reifenklasse) und dessen Verwendungsart ist eine EG-Typengenehmigung notwendig. Die EG-Typengenehmigung wird auf Basis von erfolgreichen Tests - "Verfahren zur Mes- sung des von Reifen verursachten Abrollgeräusches - Methode der Vorbeifahrt im Leer- lauf" - bei akkreditierten Prüflabors erteilt. Dazu muss jeweils ein für den Reifentyp (Reifenreihe, Reifenklasse) repräsentativer Satz von vier Reifen mit der gleichen Reifengrößenbezeichnung und dem gleichen Laufflä- chenprofil einer Prüfung des Abrollgeräuschpegels unterzogen werden. Die einzelnen Reifentypen (Reifenreihen, Reifenklassen) und die Verwendungsart sind wie folgt definiert (einschließlich der Grenzwerte): Typ C 1 (Reihe, Klasse) - Reifen für PKW und deren Anhänger mit Bezug auf die Nennbreite: -C 1 a 145 72 dB(A) -C 1 b > 145 165 73 dB(A) -C 1 c > 165 185 74 dB(A) -C 1 d > 185 215 75 dB(A) -C 1 e > 215 76 dB(A) - bei verstärkten Reifen (oder Extra-Load-Reifen) plus 1 dB(A) zulässig - bei Verwendungsart "spezial" (M+S) plus 2 dB(A) zulässig

Typ C 2 (Reihe, Klasse) - Reifen für Nutzfahrzeuge und deren Anhänger mit einer Tragfähigkeit (bei Einzelanordnung) 121 und Geschwindigkeitsindex N mit Bezug auf die Verwendungsart: -normal 75 dB(A) -M+S 77 dB(A) -spezial* 78 dB(A) Typ C 3 (Reihe, Klasse) - Reifen für Nutzfahrzeuge und deren Anhänger mit einer Tragfähigkeit (bei Einzelanordnung) 121 und Geschwindigkeitsindex M und Reifen ... mit einer Tragfähigkeit (bei Einzelanordnung) 122 mit Bezug auf die Verwendungsart: -normal 76 dB(A) -M+S 78 dB(A) -spezial* 79 dB(A) -Daraus ergibt sich eine rein theoretische Prüfmenge bei Pkw von 20 Sommerreifen (je 4 x C 1 a bis C 1 e) und 20 Winterreifen (je 4 x C 1 a bis C 1 e "spezial") plus evtl. ExtraLoad-Reifen, d.h. in Summe 40 Reifen ( evtl. plus ...). Und dies sowohl für die jeweiligen EG-Typengenehmigungen, als auch für die (jährlichen) COP-Prüfungen!

-Bei Lkw liegt die rein theoretische Prüfmenge bei 24 Reifen (je 12 x C 2 und C 3), wiederum für die EG-Typengenehmigungen und die (jährlichen) COP-Prüfungen! Unabhängig davon, dass zur Zeit keinerlei Preise von akkreditierten Prüflabors für die Tests vorliegen und wir auch keine Kenntnis davon haben, welche Prüflabors in Europa dazu akkreditiert sind (im Gegensatz zu den Neureifenherstellern sind die Runderneuerungsbetriebe, die über keine eigenen Prüfstände verfügen von diesen "abhängig") kann jetzt schon eingeschätzt werden, dass diese Prüfmengen jeden, vornehmlich mittelständisch geprägten, Runderneuerungsbetrieb in Deutschland und Europa völlig überfordern bzw. dessen Existenz gefährden.

Aus diesem Grunde erachten wir es als dringend geboten, analog der Erarbeitung der ECE- Regelungen 108 und 109 schnellstmöglich eine ECE-GRRF Arbeitsgruppe "Begrenzung des Abrollgeräusches von runderneuerten Luftreifen" ins Leben zu rufen, die die praktischen Möglichkeiten der Umsetzung der Richtlinie 2000/ /EG auf runderneuerte Reifen auf breiter internationaler Basis grundsätzlich untersucht und im Ergebnis einen entsprechenden Vorschlag zur Ergänzung der ECE-R 108/109 erarbeitet. In diese Arbeit sollten möglicherweise auch die Ergebnisse nationaler Projekte, wie das der BAST (BmVBW/BRV) oder Anderer, mit einbezogen werden, oder von der ECE-GRRF Arbeitsgruppe direkt in Auftrag gegeben werden. Der BRV, als Interessenvertreter der deutschen Runderneuerungsbranche, und die deutschen Hersteller von Runderneuerungsmaterial, stehen für eine Mitwirkung zur Verfügung."

(Quelle:Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V.)